Eine edwardianische Bluse – Lingeriebluse

Nachdem ich mich so lange mit edwardianischer/victorianischer/wilhelminischer Unterwäsche für Damen beschäftigt habe, gehe ich heute zur Oberbekleidung über. Zu dem Rock und der Jacke aus dem letzten Video würde auch eine weiße Bluse sehr gut passen. Mit Spitze übersähte Blusen hießsen auch “Lingerie-Blusen”, was ich hier schon herausgefunden habe. Typisch für dise Zeit sind die hohen Spitzenkragen und Spitzeneinsätze. So eine Bluse brauche ich auch!

Ich habe ein Schnittmuster aus dem Buch “Making Edwardian Costumes for Women” von Suzanne Rowland verwendet. Leider hab ich entweder etwas falsch gemacht oder das Schnittmuster ist semi-optimal, jedenfalls waren meine beide Frontteile viiiieeel zu groß. So groß, dass ich die Bluse ohne Rückteile hinten hätte schließen können! Und das nachdem ich alles in feine kleine Biesen gelegt habe.

Aber Schritt für Schritt.

Hier zeichne ich das Schnittmuser aus dem Buch auf weißes Seidenpapier ab:

Zum Glück war das Raster auf dem Bild in cm und nicht in inch.

Dann folge ich der Anleitung und schneide zwei 80×80 cm Stoffrechtecke zu, die ich in Biesen lege:

Ich habe mich für das Anzeichnen von Linien auf der Stoffrückseite entschlossen und dafür, jede Falte vor dem Stecken zu bügeln. So werden die Biesen möglichst gerade.

Das dauert eine Weile. Zwei Abende, nur um die Biesen zu stecken.

Die Biesen müssen dann noch angenäht werden und dann wird aus diesem vorbereiteten Stück Stoff das Vorderteil der Bluse zugeschnitten.

Wie oben beschrieben waren die Teile allerdings viel zu groß, weswegen ich am Ende alles auf meiner Schneiderbüste drapiert habe. Das hat ganz okay geklappt, nur habe ich dann zu viel Material weggenommen, weswegen meine Bluse nicht mehr so schön den Taubenbrusteffekt macht, der so typisch für Damenkleidung der Zeit ist. Nun ja.

Ich konnte den fehlenden Umfang etwas durch das Einsetzen von Spitze ausgleichen.

Die Spitzeneinsätze haben überraschend gut geklappt! Etwas, dass ich noch nie gemacht hatte. Vor Kurzem hatte ich ein Video von Cat’s Costumery geschaut und habe eine ähnliche Technik verwendet, nur das meine Spitze nicht aufgesetzt ist. Alle Spitze ist an den Rändern von Schnittmusterteilen oder in der Mitte von aufgeschnittenen Teilen, sodass ich die Spitze einfach rechts auf rechts annähen konnte (siehe Bild). Dann habe ich die Nahtzugaben ganz schmal zurück geschnitten und nach hinten geklappt nochmal abgesteppt. Das Ergebnis ist sehr sauber!

Das Rückenteil, dass aus zwei Teilen besteht die in der Mitte geknöpft werden, habe ich mit jeweils einer Spitze und Biesen verziert. Die Ärmel haben links und rechts Spitze und dazwischen ein Stück besticken Stoff, wie das Frontteil auch. Dann folgen Biesen.

Insgesamt habe ich vier Meter Spitze in zwei unterschiedlichen Breiten verwendet, und mehr hatte ich auch nicht gekauft. Generell hatte ich die Materialien, ein Rest vom Unterhemd aus dem letzten Projekt, einen Baumwollstoff namens “Sirius” und die Spitze ziemlich gut voausberechnet, sodass ich kaum Reste habe.

Ich habe also verwendet: 2 m Baumwollspitze 2,5 cm breit, 2m Baumwollspitze 3,5 cm breit, 2 m Sirius Baumwollstoff, Reste von bestickter Baumwolle. Und eine ganze große Rolle weißes Baumwollgarn. Außerdem Baumwollband für die Druckknöpfe und den Saum.

Bluse in Arbeit – das Vorderteil ist fertig, der Kragen und die Ärrmel sind erst mal nur gesteckt.

Überraschender Weise wird diese Bluse, wie das Buch vom Original berichtet, mit Druckknöpfen geschlossen. Da ich die kleinen dicken Punkte der Druckknöpfe auf der Oberseite der Bluse unsichtbar haben wollte habe ich die Druckknöpfe von Hand auf ein entsprechendes Band genäht und dann in die Bluse eingesetzt:

Am Kragen auf der Rückseite habe ich einen Fehler gemacht (Spitze an der falschen Stelle abgeschnitten), den ich mit Baumwollband zu kaschieren versucht habe. Das sieht nun nicht so ganz schön aus, hat aber den Vorteil, dass ich keine Stäbe einsetzen muss, denn dieses Baumwollband ist sehr steif geraten.

Und so sieht die fertige Bluse aus! Nicht perfekt, und der Kragen schaut an mir auch gerade aus. Den Kragen zu formen war mein größtes Problem, er schlägt an den Seiten immer noch ein bisschen Falten. Aber: Fertig ist manchmal besser als perfekt, die Bluse ist tragbar und gefällt mir vom Design her sehr gut.

Besonders stolz bin ich auf die Spitzeneinsätze! Das sieht wirklich sauber und ansprechend aus. Auch sind meine Biesen einigermaßen gerade, das ist auch fein.

Dank der Druckknöpfe kann ich die Bluse ohne Hilfe anziehen.

Insgesamt ein tolles Projekt, das Schnittmuster habe ich für die Zukunft angepasst. So schnell mache ich aber nicht nochmal so viele Biesen!

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