Lolita Fashion Ressourcen Post

Vor ein paar Monaten habe ich mich entschieden, endlich auch Lolita Fashion zu tragen. Interessanterweise eher classic oder sweet, nicht gothic – ich trage immer noch meistens schwarz und werde auch weiterhin im Gothic-Stil nähen, aber Lolita möchte ich nicht auch noch in schwarz haben. Das ich weiß, was sweet, classic und gothic überhaupt sind, verdanke ich nicht nur meinen vielen Jahren grundsätzlichem Interesse an der Mode, sondern auch vielen, vielen Lolitas vor mir, die ihre Erkenntnisse und Gedanken verbloggt haben oder Wikis gepflegt haben. Die Mode ist immerhin schon seit den 1980ern in Japan unterwegs.

Meine Linksammlung zum Thema wird immer größer, und ich möchte diese Linksammlung gern teilen. Für andere, aber auch für mich, damit ich schnell wiederfinde, was ich suche, wenn es nach Kategorien sortiert ist.

Was ist Lolita Fashion?

https://thelolitaguidebook.tumblr.com/thebasics

Begriffe

https://thelolitaguidebook.tumblr.com/dictionary

Geschichte und Hintergrundinfo

http://www.lolitahistory.com/

http://www.rainedragon.com/

https://legnanellaf.wordpress.com/

Lolilbrary – Nachschlageseite für die meisten Lolita Fashion Produkte

https://lolibrary.org/

Coordinates/Styling -Tipps

https://thelolitaguidebook.tumblr.com/anatomy

http://www.fyeahlolita.com/2012/05/building-complete-lolita-wardrobe.html?m=1

http://www.fyeahlolita.com/2009/10/how-to-avoid-being-ita.html?m=1

Inspiration

https://archive.org/details/glb45/mode/2up

http://www.lolitahistory.com/gallery/

Influencer

https://www.youtube.com/c/LovelyLor

https://www.youtube.com/c/TylerWillis

Communities

https://www.facebook.com/CandyDayFrankfurt

https://www.roseforet.com/

Shopping

Second-Hand

https://egl.circlly.com/

https://www.wunderwelt.jp/en

Marken

https://shop.baby-aatp.com/

https://babyssb.shop/

http://www.angelicpretty-usa.com/shopping/

https://metamorphose.gr.jp/en/online-shop

Indie

https://theangelicforest.com/

https://ladyslothshop.com/

https://www.haenulishop.com/

https://www.violetfaneshop.com/

https://www.etsy.com/de/shop/sweetmildred

https://www.etsy.com/shop/Glittertalelolita

https://www.milianda.eu/

https://store.lolitacollective.com/

Accessories

https://melikestea.com/

https://cottoncandyfeet.com/

https://bbandb.net/

Lolita Waschen

https://www.youtube.com/watch?v=OYbGjrLlgyY&list=WL&index=27

http://www.rainedragon.com/resources/brand-washing-directory/

Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und wird auch immer wieder wachsen.

FrOSCon 2022 – Free and Open Source Conference in Sankt Augustin

Dieses Jahr können endlich wieder Veranstaltungen in Person stattfinden. Dieses spezifische Gruppe Leute ist zwar sehr gut darin, alles remote und online durchzuführen, dennoch bin ich froh, dass ich wieder irgendwo hinfahren kann, da was lernen kann und eventuell sogar mit jemanden in Kontakt komme.

In diesem Fall ist es die FrOSCon in Sankt Augustin. Diese fand vom 20. bis zum 21. August an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg beim Fachbereich Informatik statt. Was ist die FrosCon überhaupt? Eine Konferenz für Free and Open Source Software! Ich vermute sie hat auch Frösche, da es einen kleinen Teich hinter dem Gebäude A gibt, der ist aber eingezäunt, also habe ich keine sichere Aussage dazu.

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg überzeugt von Anfang an mit sauberen, großzügigen, modern (zwei Beamer im Hörsaal!) ausgestatteten Räumlichkeiten. Auch gratis WLAN ist leicht zu finden und das eduroam funktioniert ohne Probleme. Als Frau konnte ich auf Anhieb zwei Toiletten finden, die auch sauber waren und über Seife sowie Handtücher verfügen (looking at you, HS Karlsruhe). Es gibt Snacks in Brötchenform und ein Mittagessen für kleines Geld, auch vegetarisch. Für Kaffee und Getränke ist ebenfalls gesorgt, in Pfandflaschen und ohne Plastikdeckel auf den Kaffeebechern. So, jetzt wo die Stage gesetzt ist: Was gibt des denn inhaltlich auf der Konferenz?

Laut Keynote 80 Vorträge und 10 Workshops! Über alles kann ich natürlich nicht berichten, aber zumindest über die Vorträge, die ich besucht habe. Wer reinschauen möchte: die Vorträge werden hier zum nach-schauen bereitgestellt.

Am ersten Tag habe ich mich in einen Ansible-Vortrag verirrt, obwohl ich als UX/UI-Person nichts damit zu tun habe. Als Begleitung hatte ich aber nichts anderes vor, und überraschenderweise konnte ich mit meinen rudimentären Kenntnissen teilweise verstehen, worum es ging – Pattern und Anti-Patterns. Das werte ich mal als einen win. Danach eine Pause, erst mal schauen, was für Stände es so gibt, bei Tuxedo Computers, adesso und LeanIXs vorbeigeschaut, Mittagessen (Nudeln) und Getränke kaufen.

Eingang an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zur FrOSCon.

Nach der Keynote eines hiesigen Profs ein Vortrag über Digitale Souveränität, der nach einer Presseschau (viel fefe) Probleme und Lösungsvorschläge für das Steigern der digitalen Souveränität vorgeschlagen hat. Man sollte, als Einzel-User oder Firma, nach der Entscheidung für einen Dienst seine weiteren Handlungsmöglichkeiten nicht eingeschränkt haben. Auch die soziale Komponente der Sozialisierung in Richtung Informatik wurde mehrfach angesprochen. Gemeint ist sowas wie „Musikschulen für Informatik“, also eine mögliche Vertiefung von Interessen vom Kindesalter an. In der Diskussion zu diesem Vortrag wurde auch besprochen, dass die Lehrqualität in Ausbildung und Hochschule oft nicht gegeben ist, da die Lehrenden viel zu selten aus der Praxis kommen. Bei einer Frage bzw. Anmerkung hätte ich mich beinah selbst zu Wort gemeldet, habe mich dann aber nicht getraut: Der Abstand zwischen Anwender und Entwickler ist teilweise sehr groß und führt zu Konflikten – aber gibt es nicht ein ganzes Berufsfeld, nämlich gerade UX-Designer/Experten, die genau dazu da sind, diesen Abstand zu verringern, Anwender abzuholen und Entwickler zu beraten? An der Stelle fiel mir auch auf, dass ich gar nicht weiß, wo UX in Open Source ins Spiel kommt. Zeit, dass mal rauszufinden!

Gleich im Anschluss habe ich mir den Vortrag „Mit Pull Requests arbeiten“ angesehen. Hier ging es weniger darum, wie man einen Pull Request stellt, sondern eher eine Anleitung zum sozialen und Umgang miteinander im Prozess und um das Glattziehen von Abläufen.

Eher spaßig und perfekt geeignet für den Abend war der Talk der beiden vom Podcast Open Source Couch. Der Rundgang durch das Open Source Jahr 2022 war umfangreich, interessant, führte zu Kopfschütteln und Lachern. Ich hätte ja gern noch ein bisschen „Programming Language Developer or Serial Killer?“ gespielt, das war als mit Zuhörern vor Ort einfach sehr lustig!

Das Social Event begann nahtlos danach. Für 15 € bekam man, wenn man wollte, ein mehrgängiges griechisches Menü (Vegetarier und Veganer mussten hier auf Salat und Beilagen ausweichen) und Kölsch so viel man wollte (natürlich gabs auch nicht-alkoholische Getränke). Zufällig gemachte Bekanntschaften erheiterten den Abend mit Geschichten aus der IT.

Übernachten muss man beider FrOSCon übrigens im Hotel. Wir haben in Hangelar im Hotel Hangelar übernachtet, ein kleines gepflegtes Hotel mit umfangreichem Frühstücksbuffet. Leider ist es direkt an der Landstraße gelegen und deshalb etwas laut, aber für eine Konferenz-Übernachtung ist es völlig ausreichend! Bonn, St. Augustin und Hangelar sind übrigens durch eine Straßenbahn verbunden, die selbst am Wochenende alle 20 min fährt. Die drei Haltestellen zwischen Hotel und Hochschule sind also schnell zurückgelegt. (Über Tickets und Ticketpreise kann ich dieses Jahr dank des 9-Euro-Tickets keine Aussage treffen.)

Das war übrigens schon die 17. FrOSCon!

Sonntag Morgen hatte ich einen relativ späten Start, da mein Mann eine Prüfung abgelegt hat und es nicht wirklich was im Plan gab, dass mich interessiert hat. Man kann auf der FrOSCon Prüfungen vom Linux Professional Institute ablegen. Ich bin dann also nachgekommen und habe mir „Open Accessibility – Ein Plädoyer für mehr Barrierefreiheit in Open Source Software“ angeschaut. Fand ich interessant, vor allem aus meiner UX-Perspektive. Ich habe zum Beispiel nie drüber nachgedacht, dass die Anforderungen an eine Anwendung für sehbehinderte, gehörgeschädigte und neurodiverse Leute völlig widersprüchlich sein können.

Am besten gefallen hat mir zugegeben der Vortrag mit dem wenigsten Open Source-Bezug: „Wie die Eisenbahn aus Fehlern lernt“. Anhand der Geschichte der Zugbremse wurde erklärt, wie die Bahn an ihren Herausfoderungen wächst und welche aktuellen Herausforderungen sie versucht zu lösen. Im Moment ist die Vollständigkeit von Güterzügen interessant, da immer noch mit Mensch und dessen Augen überprüft wird, ob die Schlussleuchten des Zuges noch dran sind und demzufolge kein Teil des Zuges auf der Strecke geblieben ist.

Ich habe mir dann erst mal eine Kaffeepause gegönnt, es wurde nämich langsam viel mit dem zuhören und lernen. Und auch wieder heiß, nach einem etwas kühleren Samstag, Zuletzt war ich bei „Wer bin ich und wenn ja, wie viele“, ein Vortrag, bei dem es um Identität ging – und um die Projekte Open ID Connect und CACert, die in Zukunft eine Identitätsprüfung online bereitstellen sollen (das Projekt war fast fertig zur FrOSCon).

Und dann war die FrOSCon auch schon vorbei! Sankt Augustin ist zum Glück groß genug, dass wir auf dem Weg zur Bahnhaltestelle gleich ein Restaurant finden konnten. Nach dem Abendessen stand uns am nächsten Morgen die Abreise bevor,

Alles in allem mochte ich die FrOSCon sehr. Inhaltlich habe ich einiges lehrreiches mitnehmen können und die Leute haben eine große Überschneidung mit denen, die auch auf dem Chaos Communication Congress zu finden sind, weshalb ich mich wohlgefühlt habe. Da ich dieses Jahr nicht auf den Congress kann war es für mich ein Ersatz im Kleinen. Bis zum nächsten Jahr!

Titelbild via Photo by Ilona Frey on Unsplash.

Nähen: Zusammenfassung 2021

Nach einem extrem stressigen Sommersemester möchte ich ein kleines Update geben, was ich im letzten Jahr genäht habe. Auch wenn das Semester stressig war, etwas Zeit zum Nähen habe ich doch hier und da abgezweigt. Der Großteil der Projekte entstand aber während der Semesterferien.

1850iger Ensemble

Die Unterwäsche für grob viktorianische Kleidung hatte ich ja schon. Etwas zu spät, und ich werde bestimmt ein passendes Korset machen, aber nicht in absehbarer Zeit, Studium, ne. Deshalb muss die Unterwäsche 1890 ausreichen.

Ich habe mit einem Reifrock in der korrekten Glockenform angefangen. Diesen habe ich zweimal gemacht, das erste Ergebnis sah unter einem Rock zwar ok aus, es aber mich hätte beim Tragen immer gestört, dass der Reifrock eine komische Form hat, also habe ich vieles wieder aufgetrennt und neu gemacht. Nach PriorAttires Anleitung habe ich dann alles neu genäht, und das hat geklappt. Hier ist das Ergebnis:

Reifrock mit Stahlstäben, genäht aus Baumwollband und Baumwollstoff. Details von Hand genäht.

Der Rock zu dem Projekt existierte schon, deshalb benötigte ich nur eine Bluse, eine Jacke und einen Unterrock. Auf dem folgenden Bild sieht man die weiße Bluse, aus Baumwollstoff, und den grünen Ünterrock, auch aus Baumwolle.

Bluse, Unterrock und Überrock über dem Reifrock angezogen.

Die Jacke aus Samt habe ich nach diesem Reisetaille-Schnittmuster genäht, ich habe einige Details wie die Dekoration geändert.

Ich bin mit dem Gesamtensemble zufrieden, auch wenn es ein paar Macken hat – der eine Ärmel der Jacke ist leicht verdreht eingesetzt und die Samts sind verschieden (aus Pandemiegründen, den Samt vom Rock gibt es nämlich nur im Karstadt, und das war monatelang geschlossen). Tragen konnte ich das Kostüm noch nicht, aber es eignet sich sehr für das WGT. Wenn dieses das nächste Mal stattfindet, dann mache ich noch einen passenden Hut.

Close up der Jacke. Ganz perfekt ist die Deko nicht, aber meine Puppe ist auch schlanker als ich, weswegen die Jacke etwas “unausgefüllt” wirkt.

Gothic-Ensemble aus Rock, Korsett und geänderter Jacke.

Ich hatte vor einiger Zeit ein altes Kleid aus Polyester-Taft auseinander genommen. Ich wollte etwas neues draus machen, also habe ich einen Fishtail-Rock genäht. Dann habe ich aus Stoffresten ein Korsett gemacht (nach dem gleichen Schnittmuster wie dieses 1890er-Korsett) und es führte eins zum anderen, ich habe noch einen alten Bolero etwas geflickt und geändert, Accessoires gemacht und voila, ein völlig neues Outfit! Das hatte ich an Halloween tatsächlich auch mal an.

(Psst, das Outfit ist eventuell von 2020, aber was ist schon Zeit? Fühlt sich eh alles an, als wäre es 2019 gewesen!)
Halloween 2021.

Was kleines leichtes für zwischendurch: Leinen/Baumwollrock in blau

Ich hatte diesen Rock schon einmal gemacht, in braun, und da ich diesen Rock sehr gern trage und es zufällig den tollen Stoff auch noch in blau gab, habe ich den Rock einfach kopiert. Das Schnittmuster habe ich selbst gezeichnet, es sind prinzipiell nur Trapeze und Rechtecke.

Natürlich trage ich diesen Rock recht häufig, sonst habe ich nämlich so gut wie keine Alltagsklamotten genäht!

Regency Morgenkleid

Ich hatte dieses Kleid im Vorfeld schon fertig, war aber insgesamt nicht damit zufrieden. Es ist wirklich eine alte Ikea-Bettwäsche (Druck nach einem Design aus dem 18. Jahrhundert, das passt also schon), aber die erste Version dieses Kleides wirkte, nun ja, wie Bettwäsche. Es war auch ein bisschen zu kurz geraten. Also habe ich es über den Sommer neu gemacht. Dabei habe ich die Bettwäsche-Qualitäten des Stoffs angenommen und ein Morgenkleid aus Patterns of Fashion 1 als Vorbild genommen. Jetzt ist das Kleid nicht nur lang genug, es wirkt auch sinnvoll!

Kaltes Morgenlicht – Es ist ein Wickelkleid mit einer Frontklappe. Ich habe später noch ein Korsett und eine neue Chemise für dieses Kleid gemacht, so gut hat es mir gefallen. Ich wüsste allerdings leider nicht, wann ich dieses Kleid je tragen sollte….
Detailfoto der Frontklappe.
Die Frontklappe heruntergeklappt, hier sieht man die Knöpfe, die das Kleid vorn verschließen.

Ensemble 1890er weinrot

Das war das große Nähprojekt von 2021. Die passende Unterwäsche gibt es ja schon, und dan habe ich diesen wunderschönen weinroten Baumwollstoff über einen Instasale bekommen, gerade genug für einen Rock (ok, eigentlich gerade 50 cm zu wenig, aber ich habe das Schnittmuster ein bisschen geändert) und etwas Dekoration. Den Rock habe ich versucht nach originalen Techniken zu machen, deshalb auch das Samtband am Saum, das Futter aus Baumwolle und der Taft innen im Saum, der den Tarlatan (Gaze) ersetzen soll (auch diese war wegen der Pandemie nicht zu bekommen).

Innenseite des Rocks, mit der Baumwollfutter, dem Taft und dem Baumwollband. Da ist sehr viel hangenäht, was nicht nur lang gedauert hat, es war auch nicht gut für meine Finger!

Weiterhin habe ich eine neue Bluse, eine Jacke, die ich schon einmal gemacht hatte (zu sehen bei der Unterwäsche 1890), und einen Hut dazu gemacht. (Strohhutbasen sind komischerweise in der Pandemie super gut erhältlich.) Mit der Jacke bin ich nicht ganz zufrieden, diese hätte ein Zwischenfutter gebraucht, um ihr etwas mehr Form zu verleihen. Ich habe Wollreste für die Jacke verwendet.

Hier hatte ich auch endlich Verwendung für die antike Spitze, die ich schon ewig aufbewahrt habe. Diese ist von Hand mit Seidengarn angenäht, damit ich sie, falls ich den Rock waschen muss, entfernen könnte – Tests haben aber ergeben, dass die Spitze gut waschbar ist.

Ich bin mit dem weinroten Ensemble sehr zufrieden! Ich mag es sehr gern tragen und habe auch ein Video damit gemacht: Stephanie Sews: Getting dressed in 1895, but backwards.

Ein fotoloses Projekt habe ich noch: Für das MPS habe ich ein einfaches Fantasy/Mittelalter Überkleid genäht. Das MPS war recht spontan, da ich wegen der Corona-Lage nie wusste, was jetzt wie stattfindet.

Insgesamt war 2021 nicht das produktivste Nähjahr. Das liegt zum einen an meiner Studienwahl (Medieninformatik), zum anderen an Zeitmangel und ein bisschen auch an Ideenmangel. Wenn ich keine Veranstaltungen habe, auf denen ich meine Werke tragen könnte, macht es auch nicht so viel Spaß, etwas zu entwerfen und zu nähen. Allerdings wird durch das weniger Nähen die Qualität der Ergebnisse besser. Der weinrote Rock zum Beispiel ist technisch schon sehr gut geworden!

Pläne für das kommende Jahr habe ich wenige. Ich habe bei Ikea ein paar Vorhänge erstanden, die ein Regency-Kleid werden sollen und möchte ein paar meiner älteren Werke ändern, aber große Projekte habe ich nicht geplant.

Irgendwas mit Medien

Welcome to my World, mein, dieser Blog, war sehr, sehr still im letzten halben Jahr. Das liegt daran, dass ich jetzt wieder studiere, und zwar Medieninformatik. An dem Wort “Informatik” sehen wir, dass sich das mit der Stille auch nicht so schnell ändern wird. Das Studium ist in Vollzeit, und das meint auch Vollzeit, also: 40+ Stunden die Woche. Die wenige freie Zeit, die habe, verwende ich für YouTube. Nicht nur zum Schauen, sondern auch, um meinen mittlerweile (für micht) erfolgreichen eigenen Kanal zu pflegen. Ja, YouTube ist am Ende der Social Media-Kanal, auf dem ich am erfolgreichsten bin. Wer Interesse an “How to get dressed”/”Wie sich .. keidet”, klicke bitte hier:

Stephanie Sews auf Youtube

Wenn alle wieder zurück sind, hier ein kleiner Einblick in mein Studium: Mein erstes Semester im Fach Mediengestaltung, abgeschlossen mit der Note 1,3. Zugegeben, ich habe das Fach vor 12 Jahren schon einmal gehabt, als ich Buchbinderin gelernt habe. Aber schadet ja nicht, alles aufzufrischen und zu modernisieren.

  1. Aufgabe: Steckbrief

2. Aufgabe: Eine Hälfte eines Selbtsportraits älter machen

3. Aufgabe: Mikroben (wie passend zu 2020, aber Corona durften wir nicht machen) und Geldschein

4. Aufgabe: Neues Logo für die Fachschaft. Das war ein Wettbewerb, den ich nicht gewonnen habe. Ich vermute, dass ist auch, warum ich eine ..,3 als Note habe….

5. Aufgabe: Webseite (Nur das Design, kein Coding. Das kommt noch.)

Ein paar Worte zur Webseite, die im Übrigen auch mit einem Konzept abgegeben werden musste: Der Shop ist mein Traumschloss. Ich hätte gern einen Shop, denn ich habe deutlich mehr selbstgenähte Kleidung als Platz im Schrank. Aber ich werde mich nicht mit deutschem Steuerrecht, dem Gewerbeamt, dem deutschen Verpackungsgesetz usw. auseinandersetzen. Ich studiere schließlich in Vollzeit!

Ich nehme an, der nächste Blogeintrag folgt dann am Ende des nächsten Semesters. Bis zum Sommer! 🙂

Eine edwardianische Bluse – Lingeriebluse

Nachdem ich mich so lange mit edwardianischer/victorianischer/wilhelminischer Unterwäsche für Damen beschäftigt habe, gehe ich heute zur Oberbekleidung über. Zu dem Rock und der Jacke aus dem letzten Video würde auch eine weiße Bluse sehr gut passen. Mit Spitze übersähte Blusen hießsen auch “Lingerie-Blusen”, was ich hier schon herausgefunden habe. Typisch für dise Zeit sind die hohen Spitzenkragen und Spitzeneinsätze. So eine Bluse brauche ich auch!

Ich habe ein Schnittmuster aus dem Buch “Making Edwardian Costumes for Women” von Suzanne Rowland verwendet. Leider hab ich entweder etwas falsch gemacht oder das Schnittmuster ist semi-optimal, jedenfalls waren meine beide Frontteile viiiieeel zu groß. So groß, dass ich die Bluse ohne Rückteile hinten hätte schließen können! Und das nachdem ich alles in feine kleine Biesen gelegt habe.

Aber Schritt für Schritt.

Hier zeichne ich das Schnittmuser aus dem Buch auf weißes Seidenpapier ab:

Zum Glück war das Raster auf dem Bild in cm und nicht in inch.

Dann folge ich der Anleitung und schneide zwei 80×80 cm Stoffrechtecke zu, die ich in Biesen lege:

Ich habe mich für das Anzeichnen von Linien auf der Stoffrückseite entschlossen und dafür, jede Falte vor dem Stecken zu bügeln. So werden die Biesen möglichst gerade.

Das dauert eine Weile. Zwei Abende, nur um die Biesen zu stecken.

Die Biesen müssen dann noch angenäht werden und dann wird aus diesem vorbereiteten Stück Stoff das Vorderteil der Bluse zugeschnitten.

Wie oben beschrieben waren die Teile allerdings viel zu groß, weswegen ich am Ende alles auf meiner Schneiderbüste drapiert habe. Das hat ganz okay geklappt, nur habe ich dann zu viel Material weggenommen, weswegen meine Bluse nicht mehr so schön den Taubenbrusteffekt macht, der so typisch für Damenkleidung der Zeit ist. Nun ja.

Ich konnte den fehlenden Umfang etwas durch das Einsetzen von Spitze ausgleichen.

Die Spitzeneinsätze haben überraschend gut geklappt! Etwas, dass ich noch nie gemacht hatte. Vor Kurzem hatte ich ein Video von Cat’s Costumery geschaut und habe eine ähnliche Technik verwendet, nur das meine Spitze nicht aufgesetzt ist. Alle Spitze ist an den Rändern von Schnittmusterteilen oder in der Mitte von aufgeschnittenen Teilen, sodass ich die Spitze einfach rechts auf rechts annähen konnte (siehe Bild). Dann habe ich die Nahtzugaben ganz schmal zurück geschnitten und nach hinten geklappt nochmal abgesteppt. Das Ergebnis ist sehr sauber!

Das Rückenteil, dass aus zwei Teilen besteht die in der Mitte geknöpft werden, habe ich mit jeweils einer Spitze und Biesen verziert. Die Ärmel haben links und rechts Spitze und dazwischen ein Stück besticken Stoff, wie das Frontteil auch. Dann folgen Biesen.

Insgesamt habe ich vier Meter Spitze in zwei unterschiedlichen Breiten verwendet, und mehr hatte ich auch nicht gekauft. Generell hatte ich die Materialien, ein Rest vom Unterhemd aus dem letzten Projekt, einen Baumwollstoff namens “Sirius” und die Spitze ziemlich gut voausberechnet, sodass ich kaum Reste habe.

Ich habe also verwendet: 2 m Baumwollspitze 2,5 cm breit, 2m Baumwollspitze 3,5 cm breit, 2 m Sirius Baumwollstoff, Reste von bestickter Baumwolle. Und eine ganze große Rolle weißes Baumwollgarn. Außerdem Baumwollband für die Druckknöpfe und den Saum.

Bluse in Arbeit – das Vorderteil ist fertig, der Kragen und die Ärrmel sind erst mal nur gesteckt.

Überraschender Weise wird diese Bluse, wie das Buch vom Original berichtet, mit Druckknöpfen geschlossen. Da ich die kleinen dicken Punkte der Druckknöpfe auf der Oberseite der Bluse unsichtbar haben wollte habe ich die Druckknöpfe von Hand auf ein entsprechendes Band genäht und dann in die Bluse eingesetzt:

Am Kragen auf der Rückseite habe ich einen Fehler gemacht (Spitze an der falschen Stelle abgeschnitten), den ich mit Baumwollband zu kaschieren versucht habe. Das sieht nun nicht so ganz schön aus, hat aber den Vorteil, dass ich keine Stäbe einsetzen muss, denn dieses Baumwollband ist sehr steif geraten.

Und so sieht die fertige Bluse aus! Nicht perfekt, und der Kragen schaut an mir auch gerade aus. Den Kragen zu formen war mein größtes Problem, er schlägt an den Seiten immer noch ein bisschen Falten. Aber: Fertig ist manchmal besser als perfekt, die Bluse ist tragbar und gefällt mir vom Design her sehr gut.

Besonders stolz bin ich auf die Spitzeneinsätze! Das sieht wirklich sauber und ansprechend aus. Auch sind meine Biesen einigermaßen gerade, das ist auch fein.

Dank der Druckknöpfe kann ich die Bluse ohne Hilfe anziehen.

Insgesamt ein tolles Projekt, das Schnittmuster habe ich für die Zukunft angepasst. So schnell mache ich aber nicht nochmal so viele Biesen!

Unterwäsche 1890-1900

Eines meiner Nähprojekte für dieses Jahr war, endlich Unterwäsche für ein Set von Kleidung zu machen, dass ich schon lange fertig habe. Das Set besteht aus einem Rock, einer Bluse und einer Jacke (plus Hut und Schuhe), aber alles andere habe ich nie genäht. Diesmal wollte ich es richtig machen.

Das volle Set, Bluse aus Baumwolle, Jacke aus Wolle mit einem Mischgewebe, Rock Mischgewebe und Baumwolle.

Aber was trägt eine Dame zwischen 1890 und 1900 denn darunter?

Das FIDM Museum in Los Angeles hat ein komplettes Set Unterwäsche. Der Link dazu ist hier zu finden. Es besteht aus einem Unterrock in weiß, einem Unterrock in rosa, einem Korsett, einem Bustlepad und unter allem ein Unterhemd.

Auf jeden Fall einen Unterrock. Dieser hier befindet sich im Metropolitan Museum in New York, ist datiert zwischen 1875 und 1925 und aus Seide. Hier klicken für den Eintrag im Katalog. Unterröcke konnten viele Formen (vor allem was die Rüschen anging) annehmen und waren nicht immer weiß. Beispiele hier, dort und hier.

Meine Version ist nicht aus Seide, sondern aus Baumwollsatin, aber in einer ähnlichen Farbe:

Mehr Rüschen und mehr Falten, aber da ich ein Bustlepad hinzufügen werde, sind die Falten auch nötig.

Dann immer ein Korsett, zum Beispiel so eins:

Copyright: © Victoria and Albert Museum, London 2017

Dieses Korsett befindet sich im Victoria und Albert Museum in London. es ist datiert auf 1895-1900, wurde entweder in England oder Deutschland gefertigt und ist aus Baumwolle. Hier sind alle Informationen hinterlegt.

Mein Korsett ist ebenfalls aus Baumwolle, aber in grün und deutlich leichter mit künstlichem Fischbein verstärkt als das Beispiel oben. Korsetts konnten jede Farbe haben, hier zum Beispiel ist ein knallgelbes aus Seide zu finden.

Das Schnittmuster für das Korsett ist hier zu finden.

Fehlt noch das Unterhemd, das hier schon unter dem Korsett zu sehen ist. Ich habe ein Beispiel aus dem Met Museum herausgesucht, das aus Baumwolle ist:

In Frankreich gefertigt und auf ca. 1890 datiert ist auch dieses Unterhemd mit Spitze verziert und hat eine Schleife am Ausschnitt. Spitzen und Schleifen waren damals Trend. Der Link zum Unterhemd findet sich hier.

Zugegeben, mein Unterhemd ist ganz anders geschnitten. Und ich habe Baumwollspitze besorgt, mich dann aber dagegen entschieden, diese auch anzunähen. Ich wollte eine schlichte Version eines Unterhemdes.

Keine Schleifen, keine Spitze. Dafür aber absolut in der modernen Waschmaschine waschbar. Das Schnittmuster ist dieses: Link

Damit der Unterrock und der Rock nicht nach hinten herunterziehen aufgrund des Gewichts der vielen Falten und damit die korrekte Silhouette erreicht wird habe ich noch ein kleines Bustlepad oder Pokissen hinzugefügt. Die Idee dazu stammt von hier und ein Beispiel habe ich hier gefunden:

Der Text zum Bild lautet: “Schwarzes Bustle-Kissen, das mit Rosshaar gefüllt ist. Aus den 1890er Jahren. Mit Nieten versehen, um die Luftzirkulation zu unterstützen. Originale Bindeschnüre.” von www.antique-gown.com

Mein Bustlepad ist aus Baumwolle, hat ebenfalls Belüftungsnieten (wenn auch kleine) und ist zweiseitig, weiß und sschwarz, damit ich es unter hellen und dunklen Röcken tragen kann.

Damit wäre mein Unterwäscheset komplett! Ein Unterrock reicht mir.

Es gibt aber noch einiges mehr an Unterwäsche, das zwischen 1890 und 1900 getragen werden konnte. Da wären zum einen die berühmten combinations, die Unterhemd und Unterhose in einem waren:

Dieses Bild ist von Pinterest (klick), aber die combinations selbst befinden sich im Met Museum: klick

Weiterhin gab es aber auch Unterhosen, die ebenfalls schön mit Spitze verziert waren.

Ein Beispiel, wieder aus dem Met Museum, aus Baumwolle und von ca. 1890. Es gab aber auch sehr viel verziertere Versionen: Link und Link.

Weiterhin, und das ist etwas, das ich gern noch hinzufügen möchte, gab es sogenannte “Korsettcover”, quasi ein Hemd für über das Korsett zum Schutz des Korsetts. Dieses konnte ganz schlicht sein, wie dieses:

Aus Seide und Baumwolle, datiert auf 1885-90, gefertigt in Frankreich und definitv keine Größe S. Ja, die meisten Frauen um 1900 waren ganz wie Frauen heute in allen Formen und Größen gebaut, und die schmale Taille wurde oft durch Auspolsterungen an der Hüfte (siehe Bustle) und weite Ärmel (siehe Bluse und Jacke) optisch erreicht und war nicht tatsächlich winzigklein. Der Link zum Objekt ist hier.

Es gab aber auch Korsettcover, die vor allem im Brustbereich ordentlich mit Rüschen versehen waren, damit die gewünschte Silhouette erreicht werden konnte, die eben mehr Volumen “Obenrum” forderte.

Bevor ich nähe betreibe ich in der Regel einiges an Recherche. Die Schnittmuster, wenn ich eins verwende, sollten möglichst originalgetreu sein, am besten von existierenden Objekten abgenommen. Dennoch nähe ich Sachen um 1900 mit der Maschine, da die Nähmaschine da schon längst erfunden und auch in allgemeiner Benutzung war.

Wer mehr von der Unterwäsche und dem Anzug sehen möchte, ich habe zu diesem Thema ein YouTube-Video:

Dressing an 1890s Working Woman

Viel Spaß beim Schauen und ich freue mich hier und bei YouTube über Kommentare!

Ein originales Kleid von ca. 1918

Ein kommentiertes Video zu dem Kleid gibt es hier: Youtube Stephanie Sews

Im Juni hatte ich Glück auf etsy: Es wurde ein Kleid von um 1910 für einen Preis angeboten, den ich mir leisten konnte. Und auch in einem Zustand, in dem ich ein Kleid haben wollte. Ich habe es hier gefunden. Mein Kleid wurde super schnell aus den USA versendet, aber es hing dann für drei Wochen im deutschen Zoll fest. Die Zollgebühr war übrigens ganz ok, das komplette Unterfangen hat mich ca. 200 € gekostet. Es ist nicht überliefert, wem das Kleid gehört hat, sicher ist nur, dass es in den USA getragen wurde.

Soviel zur Vorrede. Nun aber zum Kleid! Als erstes: Keins meiner Bücher über Kostümgeschichte hat auch nur eins solcher Kleider erwähnt. Dabei waren weiße Kleider mit Spitze wohl ein absoluter Trend bis in die 20er Jahre! Eine einfache Google-Suche ergibt gleich mehrere Fotos mit Frauen, die solche oder ähnliche Kleider tragen:

Suchbegriffe sind “1910s photography summer”, nicht einmal “white dress” oder dergleichen.

Eine etwas genauere Suche ergibt noch mehr von diesen wunderschönen Kleidern:

Die Suchbegriffe sind “1910s white cotton dress sailors collar”. Beide Suchen durchgeführt am 27.07.2020.

Was mit bei der zweiten Suche aufgefallen ist: Einige der Kleider sind mit “Tea dress”, also Teekleid, bezeichnet. Ich war mir eigentlich sicher, kein Teekleid erworben zu haben, denn ich hatte mich im Vorfeld schon mit Teekleidern beschäftigt (hier), und die weißen, sommerlichen Kleider sind eigentlich keine Teekleider. Und ja, da ich keine Bücher verfügbar habe, folgte eine weitere Internetsuche, die diesen und diesen Link zum Vorschein brachte (beides vertrauenswürdige Quellen, denen ich schon lange folge). Dank Leimomi von The Dreamstress weiß ich nun auch, wie die genaue Bezeichnung für mein Kleid lautet: Ein Lingerie-Kleid!

Das Lingerie-Kleid war in Mode von 1900-1920 und bezeichnet einen Stil von Kleid, das mit Stickerei, Spitze, kleinen Fältchen, Rüschen und Bändern übermäßig verziehrt war (ähnlich wie die übliche Unterkleidung, daher der Name “Lingerie”). Es begann als Teil eines Revivals des 18. Jahrhunderts um 1900 herum (vergleiche Robe á la polonaise) und war inspiriert von der Chemise á la reine. Getragen wurde dieser Typ Kleid vor allem auf Gartenpartys, bei Pferderennen und genrell bei Aktivitäten im Freien. Es wurde immer mit einem Unterkleid getragen, das gern auch pastellfarben sein konnte. Zu einem Lingerie-Kleid gehörte ein passender Hut, manchmal auch Handschuhe und ein Sonnenschirm, je nachdem, wie formal der Anlass war. Das Kleid war weiß und häufig aus Baumwolle, da weißer Stoff waschbar war. Ja, weiß galt als geeignete Farbe für Gartenkleider. Weiß konnte nicht ausbleichen und auch nicht in der Wäsche abfärben, wie die damals verfügbaren Stoffarben. Die Stoffwahl Baumwolle weißt auch auf Sommerkleider für heißes Wetter hin. Lingerie-Kleider wurden als Grundbestandteil der Garderobe einer gut gekleideten Frau betrachtet.

Und ja, es sind vor allem in den USA viele dieser Kleider erhalten. Kleider, die meinem ganz ähnlich sehen, tauchen immer wieder auf Auktionen auf, wie hier bei Augusta Auctions.

Drei Kleider, die 2014 bei Augusta Auctions versteigert wurden.

Bevor ich mein eigenes Kleid vorstelle, möchte ich noch eine kleine Kuriosität zeigen: Ich hatte in meiner persönlichen Sammlung von alten Fotos zwei Bilder von einer Garten- oder Landpartie, in der die Frauen weiße Kleider tragen. Ich denke, sie sind etwas früher als 1914 unterwegs gewesen, allein vom Schnitt der Kleider her, aber dennoch, weiße Kleider für den Sommer – bestätigt!

Foto aus meiner persönlichen Kollektion, erworben vor Jahren in einem Antikladen. Man baeachte vor allem die Dame hinten links. Die Dame hinten rechts trägt eine Lingerie-Bluse, die ebefalls ein Trendkleidungsstück war.
Ich frage mich, was feines in dem Topf war, der Herr vorn rechts hält schon die Kelle bereit!
Hier sieht man vor allem am Kleidersschnitt des Kleides der Dame rechts, dass diese Kleider früher datieren als meins.

Und jetzt Bühne frei für den Star des Blogartikels: Mein ca. 1918 Lingerie-Kleid!

Dieses Foto ist von bonblu von etsy, da meine Kleiderpuppe zu groß für das Kleid ist.

Was ich von diesem Foto allein sagen konnte: Das Kleid ist eher aus den mittleren bis späten 1910er Jahren, denn es hat keine eng anliegenden Ärmel mehr, die Taille ist eher lose und sitzt tiefer als noch bei der Gartenpartie von meinen Fotos, und der Rock ist nicht mehr Bodenlang. Ich würde sogar sagen, dass es von ca. 1918 ist, denn ich habe ein Foto von 1918 gefunden, auf dem eine Dame ein ganz ähnliches Kleid trägt:

Die Dame vorn in weiß in der Mitte, aber ebenso die Damen im dunkleren Kleid neben ihr geben gute Hinweise für eine Datierung meines Kleides. Das Bild habe ich hier gefunden.
Und das ist mein Kleid von hinten, man beachten den Matrosenkragen. Das Foto ist wieder von bonblu.
Flach liegend auf Seidenpapier wirkt es doch ein bisschen traurig. Aber man kann hier schon die wirklich verückte Verschlussvariante sehen, die die Schneiderin gewählt hat.

Ein paar Daten zum Kleid: Es ist aus Bauwolle, aber welche Stoffart genau kann ich nicht sagen. Sehr druchsichtig. Es ist nicht gefüttert im Rockteil, aber das Oberteil ist mit Tüll (!) gefüttert. Es musste ganz sicher über passender Unterwäsche und einem Unterkleid getragen werden, das Unterkleid war definitv nicht Teil des Kleides, denn es war nie ein Unterkleid eingenäht. Der Stoff ist teilweise in sich mit eingewebten Streifen dekoriert, aber die Bandverzierung am Saum und am Gürtel ist nachträglich mit der Maschine angenäht wurden. Die Nähte sind französich. Die Dekoration ist von Hand angenäht, zum Beispiel der Gürtel und die Spitze. Letztere ist mit einem winzigen Saumstich angebracht. Das Kleid hat, innen gemessen, eine 63 cm Taille, 36 cm Rückenlänge und 86 cm Rocklänge, ist also definitv eher wadenlang.

Am Rücken ist das Kleid unterhalb des Gürtels fein gerafft. Dieser Teil ist ebenfalls handgenäht. Innerhalb der Streifen befinidet sich eine Art rundes Band.

Geschlossen wird das Kleid mit einer Variante von Haken und Augen und Druckknöpfen. Erst schließt die Trägerin ein innenliegendes zweites Band, dann das Tüllfutter, dann den Gürtel mit Druckknöpfen und dann klappt das Kleid mit den kleinen puffigen Knöpfen, von denen neun erhalten sind und rein dekorativ in zwei Reihen an der Vorderseite angebracht sind, zur linken Seite und wird mit Druckknöpfen geschlossen. Einer der Ärmel hat einen Druckknopf, der andere nicht, und ich denke auch nicht, dass dieser Ärmel je einen hatte.

Die Vorderseite mit neun Knöpfen, das Foto ist wieder von bonblu.
Ich hoffe, ich habe den Verschluss ausreichend gut erklärt. Hier ist auch die Stelle, bei der ich vermute, dass das Kleid daheim genäht wurde. Es sind einfach so viele Haken und Augen und Druckknöpfe, manche scheinen nachträglich angebracht worden zu sein, und das Kleid hat eben kein Label. Aber die Schneiderin hatte durchaus Ahnung, was sie da tut.
Hier nochmal der Verschluss von außen, auf meiner zu großen Schneiderpuppe.
Der feine Matrosenkragen.
Ärmeldetail – das ist der Ärmel ohne Druckknopf.
Das ist der andere Ärmel mit dem Druckknopf. Der Druckknopf hält den Ärmel zusammen.
Das Kleid hat einen 12 cm breiten, einfach umgeschlagenen Saum. Dieser ist von Hand mit kleinen Geradstichen angenäht.

Insgesamt bin ich sehr glücklich mit meinem Kauf! Je öfter ich das Kleid aus seiner mit Seidenpapier ausgelegten Box hole, desto mehr entdecke ich. Nicht das ich es je tragen würde, aber es ist mir viiieeel zu klein. Unter einem Arm hat es ein Loch und ein paar Rostflecken von den Augen sind auch zu sehen, aber sonst ist es in wirklich gutem Zustand. Eventuell werde ich das Kleid einmal für mich nachnähen, das ist aber ein laaanges Projekt und wird allein für die Stoffsuche viel Zeit in Anspruch nehmen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich habe ein paar Videoclips beim Auspacken gedreht, es wird also noch ein Video zum Lingerie-Kleid geben.

Wenn es Fragen zum Kleid gibt, schreibt mir gern einen Kommentar oder eine Nachricht über das Kontaktformular!

Wanderung um Bad Urach

Über Pfingsten sind die Kontaktbeschränkungen endlich so weit aufgehoben worden, dass meine Eltern zu Besuch kommen konnten. Ich habe vorgeschlagen, in Bad Urach wandern zu gehen, da es auch absolut perfektes Wetter werden sollte. Ich selbst war schon mal in Bad Urach – vor sieben Jahren (wo ist denn die Zeit hin?!?). Ich wusste also, dass es dort sehr hübsch ist. Das wussten leider auch gefühlt 15000 andere Menschen, besonders um den Wasserfall herum. Angesichts einer still stattfindenden Pandemie semi-optimal…

Hier ist die Route, die wir gewandert sind (minus einer kleinen Abzweigungen gen Norden, da wollte Google Maps nicht so wie ich):

10 km mit nur einem Berg von 250 m Höhe sind wirklich nicht dramatisch. Zumal Bad Urach wirklich schön ist! Hier kommen einige Eindrücke von der Wanderung:

Panorama-Aufnahme vom Runden Berg (links) über das Ermstal mit Bad Urach.
Blick durch ein Fenster der Burgruine Hohenurach Richtung Bad Urach.

Die Burgruine Hohenurach ist eigentlich eine Festungsruine. Demenstprechend groß und gut gesichert ist sie auch gewesen. Erstmals urkundlich errwähnt 1235 erlebte die Burg eine bewegte Geschichte. Die Herren von Württemberg modernisierten die Burg immer wieder und bauten aus, bis sie eine Landesfestung im 16. Jahrhundert wurde. Als Gefängnis genutzt und unter anderem im Schmalkaldischen Krieg 1547 zerstört, wurde sie jedoch immer wieder aufgebaut. 1765 erst wurde die Festung aufgegeben und ihre Steine für andere Bauwerke verwendet. Bis zur Unkenntlichkeit von Pflanzen überwuchert wurde Hohenurach zwischen 1860 und 1870 für Besucher zugänglich gemacht. In jüngster Zeit – nachdem ich vor sieben Jahren dort war – wurde die Burgruine renoviert und gesichtert und war zeitweise komplett für Besucher geschlossen. Zum Glück konnten wir große Teile wieder besichtigen.

Hohenurachss größter Baurest neben den Festungsanlagen ist der Giebel des Wirtschaftstraktes.
Ungefähr 15000 Menschen auf dem Weg zum Wasserfall.
Die Aussicht zu Burgruine macht den Umgang mit so vielen Menschen wett.
Der Hohenuracher Wasserfall. Später habe ich herausgefunden, dass es mehrere Wasserfälle* in Hohenurach gibt, vielleicht hätten wir dahin ausweichen sollen.

Der Wasserfall ist geologisch-biologisch ebenfalls interessant: Er stürzt am Albtrauf 37 m in die Tiefe und trifft auf eine Kalktuffstufe, von wo er als Bach weiter in das Maisental fließt. Das Wasser des Wasserfalls tritt als Karstquelle mit Kalk angelagert am Albtrauf aus und bildet eine Kalknase, die gelegentlich abbricht. Die Kalktuffstufe bildet sich ebenfalls duch Ablagerung von Kalk aus dem Wasser.

Zum Abschluss ein abendliches Bild aus dem Maisental.

Abgesehen von der Menschenmenge am Wasserfall eine schöne Wandertour! Am Schluss gab es noch ein sehr feines Rahmschnitzel und kühles Radler in der Wirtschaft zum Löwen in Bad Urach.

*Die Gütersteiner Wasserfälle, um genau zu sein. Die wären wohl die bessere Wahl gewesen, das wären ca. 2,5 km mehr gewesen.

Schokoladenmädchen Finale

Ich habe mir ein Stativ gekauft. Deshalb ohne viele Worte einige Fotos vom Schokoladenmädchen mit mir in Jacke und Kleid drin.

Zwei Dinge: Ich habe die Fotos im warmen Nachmittagssonnenlicht gemacht, weshalb ich den kühlen Farbton des Pastells nicht ganz treffen kann (ich mag das warme Licht aber sehr). Und Jacke und Rock sind immernoch farblich umgekehrt, aber je länger ich mich mit den Bildern beschäftigte, desto weniger stört mich das. Vielleicht gab es auch solche Schokoladenmädchen.

Links: Stephanie, 2020, Handyfoto und Bearbeitung mit Krita. Rechts: Jean-Étienne Liotard, Das Schokoladenmädchen 1774, , Pastell

Ich stelle mir Nandl mittlerweile als freches Mädchen, aber gut in ihrer Arbeit als Kaffeehausbedienung vor. Nandl war bestimmt nicht schüchtern, hat sich aber an die geltenden gesellschaftlichen Regeln ihrer Zeit gehalten. Leider weiß die Geschichte nichts genaues von Nandl oder Anna.

Übrigens trägt das Schokoladenmädchen all dies hier:

Jacke, Rock, Unterrock, Taschen, Pokissen, Schnürbrust, Unterhemd, Haube und Schürze.

Das Darunter sieht so aus (und ich liebe, dass das prinzipiell ein Unterwäschefoto von mir ist, aber niemand da so warnehmen wird!):

Die Schuhe sind ein nur ersatzweise da, ich besitze ein helles Paar Theaterschuhe in der korrekten Form. Diese sind nur gerade in einer anderen Stadt. Die roten Schuhe mussten jetzt ausreichen.

Ich hoffe, dass sich irgendwann eine Gelegenheit ergibt, dieses Kleid auch gebührend auszuführen (ich denke da an einen Kaffeehausbesuch)!

Schokoladenmädchen 3

Teil 1 der Geschichte sowie Teil 2.

Und es ist fertig! Ein Gutes hat das ganze Kurzarbeiten und daheim bleiben ja, dieses Projekt war überraschend schnell fertig. Alles neue (außer der Jacke) ist handgenäht, und handnähen dauert wohl doch gar nicht so lang, wie ich anfangs dachte. Mein Youtube-Video-Konsum ist leider damit sehr in die Höhe geschnellt. Ich habe manche Tage bis zu 3,5 Stunden Video geschaut, aber das waren auch die Tage, an denen ich mit der Hand genäht habe. Da ist ein bisschen Unterhaltung hilfreich.

Jedenfalls folgt hier nun das fertige Schokoladenmädchen – reverse, und irgendwann werde ich Fotos nachreichen, auf denen ich das ganze Outfit trage und ein Tablett halte. Das ist gerade aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich.

Die Profilansicht, wie sie auch auf dem Pastell zu sehen ist. Die Haube schaut etwas traurig aus, wenn da kein Kopf drin ist!

Ich mag tatsächlich die Schürze doch sehr gern, der weiße Baumwollstoff ist gerade durchscheinend genug. Die Farben sind auf dem Pastell eher matt und gedämpft, aber zum einen ist es eben ein Pastell, zum anderen sind die Kleidungsstücke des Schokoladenmädchens nicht mit modernen Farben gefärbt worden. Ich mit den bunten Farben zufrieden.

In der Frontansicht kann man gut sehen, das die Schürze, wie erwähnt, nicht voll genug ist, aber dünn genug, um Jacke und Rock durchscheinen zu lassen.

Es fehlte am Gesamtbild ja nur noch die Haube. Die Seide dazu war ja schon eingetroffen, nur hatte ich nicht bedacht, das ich für den vorderen Haubenstreifen festes Material brauchte. Da einfach so in den Stoffladen gehen an dem Tag noch keine Option war habe ich mich für einen festen Karton entschieden, den ich noch da hatte. Das gleiche gilt für die Spitze, die nicht füllig genug ist und eventuell nochmal überarbeitet wird – obwohl mir die Spitze an sich gefällt. Das blaue Band musste ich dann auch noch bestellen, da ich nur grünes Band hatte.

Eine Nahaufnahme der Haube im Profil.

Die Haube war dann leider doch kein Projekt, dass ich aus vorhandenem Material bestreiten konnte. Da ich nicht gut im Hauben machen bin und auch keinen Spaß daran habe, bin ich aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden! Mit einem Dutt, wie ihn das Schokoladenmädchen wohl drrunter trägt, formt sich meine Haube wie im Pastell von Liotard wiedergegeben. Das blaue Band ist übrigens ausreichend, um die Haube am Kopf zu halten, keine Nadeln notwendig. Daher ist das Band auch lose.

Damit ist das nächste große Nähprojekt fertig! Ich hoffe, dass ich es irgendwann ausführen kann.