Eine edwardianische Bluse – Lingeriebluse

Nachdem ich mich so lange mit edwardianischer/victorianischer/wilhelminischer Unterwäsche für Damen beschäftigt habe, gehe ich heute zur Oberbekleidung über. Zu dem Rock und der Jacke aus dem letzten Video würde auch eine weiße Bluse sehr gut passen. Mit Spitze übersähte Blusen hießsen auch “Lingerie-Blusen”, was ich hier schon herausgefunden habe. Typisch für dise Zeit sind die hohen Spitzenkragen und Spitzeneinsätze. So eine Bluse brauche ich auch!

Ich habe ein Schnittmuster aus dem Buch “Making Edwardian Costumes for Women” von Suzanne Rowland verwendet. Leider hab ich entweder etwas falsch gemacht oder das Schnittmuster ist semi-optimal, jedenfalls waren meine beide Frontteile viiiieeel zu groß. So groß, dass ich die Bluse ohne Rückteile hinten hätte schließen können! Und das nachdem ich alles in feine kleine Biesen gelegt habe.

Aber Schritt für Schritt.

Hier zeichne ich das Schnittmuser aus dem Buch auf weißes Seidenpapier ab:

Zum Glück war das Raster auf dem Bild in cm und nicht in inch.

Dann folge ich der Anleitung und schneide zwei 80×80 cm Stoffrechtecke zu, die ich in Biesen lege:

Ich habe mich für das Anzeichnen von Linien auf der Stoffrückseite entschlossen und dafür, jede Falte vor dem Stecken zu bügeln. So werden die Biesen möglichst gerade.

Das dauert eine Weile. Zwei Abende, nur um die Biesen zu stecken.

Die Biesen müssen dann noch angenäht werden und dann wird aus diesem vorbereiteten Stück Stoff das Vorderteil der Bluse zugeschnitten.

Wie oben beschrieben waren die Teile allerdings viel zu groß, weswegen ich am Ende alles auf meiner Schneiderbüste drapiert habe. Das hat ganz okay geklappt, nur habe ich dann zu viel Material weggenommen, weswegen meine Bluse nicht mehr so schön den Taubenbrusteffekt macht, der so typisch für Damenkleidung der Zeit ist. Nun ja.

Ich konnte den fehlenden Umfang etwas durch das Einsetzen von Spitze ausgleichen.

Die Spitzeneinsätze haben überraschend gut geklappt! Etwas, dass ich noch nie gemacht hatte. Vor Kurzem hatte ich ein Video von Cat’s Costumery geschaut und habe eine ähnliche Technik verwendet, nur das meine Spitze nicht aufgesetzt ist. Alle Spitze ist an den Rändern von Schnittmusterteilen oder in der Mitte von aufgeschnittenen Teilen, sodass ich die Spitze einfach rechts auf rechts annähen konnte (siehe Bild). Dann habe ich die Nahtzugaben ganz schmal zurück geschnitten und nach hinten geklappt nochmal abgesteppt. Das Ergebnis ist sehr sauber!

Das Rückenteil, dass aus zwei Teilen besteht die in der Mitte geknöpft werden, habe ich mit jeweils einer Spitze und Biesen verziert. Die Ärmel haben links und rechts Spitze und dazwischen ein Stück besticken Stoff, wie das Frontteil auch. Dann folgen Biesen.

Insgesamt habe ich vier Meter Spitze in zwei unterschiedlichen Breiten verwendet, und mehr hatte ich auch nicht gekauft. Generell hatte ich die Materialien, ein Rest vom Unterhemd aus dem letzten Projekt, einen Baumwollstoff namens “Sirius” und die Spitze ziemlich gut voausberechnet, sodass ich kaum Reste habe.

Ich habe also verwendet: 2 m Baumwollspitze 2,5 cm breit, 2m Baumwollspitze 3,5 cm breit, 2 m Sirius Baumwollstoff, Reste von bestickter Baumwolle. Und eine ganze große Rolle weißes Baumwollgarn. Außerdem Baumwollband für die Druckknöpfe und den Saum.

Bluse in Arbeit – das Vorderteil ist fertig, der Kragen und die Ärrmel sind erst mal nur gesteckt.

Überraschender Weise wird diese Bluse, wie das Buch vom Original berichtet, mit Druckknöpfen geschlossen. Da ich die kleinen dicken Punkte der Druckknöpfe auf der Oberseite der Bluse unsichtbar haben wollte habe ich die Druckknöpfe von Hand auf ein entsprechendes Band genäht und dann in die Bluse eingesetzt:

Am Kragen auf der Rückseite habe ich einen Fehler gemacht (Spitze an der falschen Stelle abgeschnitten), den ich mit Baumwollband zu kaschieren versucht habe. Das sieht nun nicht so ganz schön aus, hat aber den Vorteil, dass ich keine Stäbe einsetzen muss, denn dieses Baumwollband ist sehr steif geraten.

Und so sieht die fertige Bluse aus! Nicht perfekt, und der Kragen schaut an mir auch gerade aus. Den Kragen zu formen war mein größtes Problem, er schlägt an den Seiten immer noch ein bisschen Falten. Aber: Fertig ist manchmal besser als perfekt, die Bluse ist tragbar und gefällt mir vom Design her sehr gut.

Besonders stolz bin ich auf die Spitzeneinsätze! Das sieht wirklich sauber und ansprechend aus. Auch sind meine Biesen einigermaßen gerade, das ist auch fein.

Dank der Druckknöpfe kann ich die Bluse ohne Hilfe anziehen.

Insgesamt ein tolles Projekt, das Schnittmuster habe ich für die Zukunft angepasst. So schnell mache ich aber nicht nochmal so viele Biesen!

Ein originales Kleid von ca. 1918

Ein kommentiertes Video zu dem Kleid gibt es hier: Youtube Stephanie Sews

Im Juni hatte ich Glück auf etsy: Es wurde ein Kleid von um 1910 für einen Preis angeboten, den ich mir leisten konnte. Und auch in einem Zustand, in dem ich ein Kleid haben wollte. Ich habe es hier gefunden. Mein Kleid wurde super schnell aus den USA versendet, aber es hing dann für drei Wochen im deutschen Zoll fest. Die Zollgebühr war übrigens ganz ok, das komplette Unterfangen hat mich ca. 200 € gekostet. Es ist nicht überliefert, wem das Kleid gehört hat, sicher ist nur, dass es in den USA getragen wurde.

Soviel zur Vorrede. Nun aber zum Kleid! Als erstes: Keins meiner Bücher über Kostümgeschichte hat auch nur eins solcher Kleider erwähnt. Dabei waren weiße Kleider mit Spitze wohl ein absoluter Trend bis in die 20er Jahre! Eine einfache Google-Suche ergibt gleich mehrere Fotos mit Frauen, die solche oder ähnliche Kleider tragen:

Suchbegriffe sind “1910s photography summer”, nicht einmal “white dress” oder dergleichen.

Eine etwas genauere Suche ergibt noch mehr von diesen wunderschönen Kleidern:

Die Suchbegriffe sind “1910s white cotton dress sailors collar”. Beide Suchen durchgeführt am 27.07.2020.

Was mit bei der zweiten Suche aufgefallen ist: Einige der Kleider sind mit “Tea dress”, also Teekleid, bezeichnet. Ich war mir eigentlich sicher, kein Teekleid erworben zu haben, denn ich hatte mich im Vorfeld schon mit Teekleidern beschäftigt (hier), und die weißen, sommerlichen Kleider sind eigentlich keine Teekleider. Und ja, da ich keine Bücher verfügbar habe, folgte eine weitere Internetsuche, die diesen und diesen Link zum Vorschein brachte (beides vertrauenswürdige Quellen, denen ich schon lange folge). Dank Leimomi von The Dreamstress weiß ich nun auch, wie die genaue Bezeichnung für mein Kleid lautet: Ein Lingerie-Kleid!

Das Lingerie-Kleid war in Mode von 1900-1920 und bezeichnet einen Stil von Kleid, das mit Stickerei, Spitze, kleinen Fältchen, Rüschen und Bändern übermäßig verziehrt war (ähnlich wie die übliche Unterkleidung, daher der Name “Lingerie”). Es begann als Teil eines Revivals des 18. Jahrhunderts um 1900 herum (vergleiche Robe á la polonaise) und war inspiriert von der Chemise á la reine. Getragen wurde dieser Typ Kleid vor allem auf Gartenpartys, bei Pferderennen und genrell bei Aktivitäten im Freien. Es wurde immer mit einem Unterkleid getragen, das gern auch pastellfarben sein konnte. Zu einem Lingerie-Kleid gehörte ein passender Hut, manchmal auch Handschuhe und ein Sonnenschirm, je nachdem, wie formal der Anlass war. Das Kleid war weiß und häufig aus Baumwolle, da weißer Stoff waschbar war. Ja, weiß galt als geeignete Farbe für Gartenkleider. Weiß konnte nicht ausbleichen und auch nicht in der Wäsche abfärben, wie die damals verfügbaren Stoffarben. Die Stoffwahl Baumwolle weißt auch auf Sommerkleider für heißes Wetter hin. Lingerie-Kleider wurden als Grundbestandteil der Garderobe einer gut gekleideten Frau betrachtet.

Und ja, es sind vor allem in den USA viele dieser Kleider erhalten. Kleider, die meinem ganz ähnlich sehen, tauchen immer wieder auf Auktionen auf, wie hier bei Augusta Auctions.

Drei Kleider, die 2014 bei Augusta Auctions versteigert wurden.

Bevor ich mein eigenes Kleid vorstelle, möchte ich noch eine kleine Kuriosität zeigen: Ich hatte in meiner persönlichen Sammlung von alten Fotos zwei Bilder von einer Garten- oder Landpartie, in der die Frauen weiße Kleider tragen. Ich denke, sie sind etwas früher als 1914 unterwegs gewesen, allein vom Schnitt der Kleider her, aber dennoch, weiße Kleider für den Sommer – bestätigt!

Foto aus meiner persönlichen Kollektion, erworben vor Jahren in einem Antikladen. Man baeachte vor allem die Dame hinten links. Die Dame hinten rechts trägt eine Lingerie-Bluse, die ebefalls ein Trendkleidungsstück war.
Ich frage mich, was feines in dem Topf war, der Herr vorn rechts hält schon die Kelle bereit!
Hier sieht man vor allem am Kleidersschnitt des Kleides der Dame rechts, dass diese Kleider früher datieren als meins.

Und jetzt Bühne frei für den Star des Blogartikels: Mein ca. 1918 Lingerie-Kleid!

Dieses Foto ist von bonblu von etsy, da meine Kleiderpuppe zu groß für das Kleid ist.

Was ich von diesem Foto allein sagen konnte: Das Kleid ist eher aus den mittleren bis späten 1910er Jahren, denn es hat keine eng anliegenden Ärmel mehr, die Taille ist eher lose und sitzt tiefer als noch bei der Gartenpartie von meinen Fotos, und der Rock ist nicht mehr Bodenlang. Ich würde sogar sagen, dass es von ca. 1918 ist, denn ich habe ein Foto von 1918 gefunden, auf dem eine Dame ein ganz ähnliches Kleid trägt:

Die Dame vorn in weiß in der Mitte, aber ebenso die Damen im dunkleren Kleid neben ihr geben gute Hinweise für eine Datierung meines Kleides. Das Bild habe ich hier gefunden.
Und das ist mein Kleid von hinten, man beachten den Matrosenkragen. Das Foto ist wieder von bonblu.
Flach liegend auf Seidenpapier wirkt es doch ein bisschen traurig. Aber man kann hier schon die wirklich verückte Verschlussvariante sehen, die die Schneiderin gewählt hat.

Ein paar Daten zum Kleid: Es ist aus Bauwolle, aber welche Stoffart genau kann ich nicht sagen. Sehr druchsichtig. Es ist nicht gefüttert im Rockteil, aber das Oberteil ist mit Tüll (!) gefüttert. Es musste ganz sicher über passender Unterwäsche und einem Unterkleid getragen werden, das Unterkleid war definitv nicht Teil des Kleides, denn es war nie ein Unterkleid eingenäht. Der Stoff ist teilweise in sich mit eingewebten Streifen dekoriert, aber die Bandverzierung am Saum und am Gürtel ist nachträglich mit der Maschine angenäht wurden. Die Nähte sind französich. Die Dekoration ist von Hand angenäht, zum Beispiel der Gürtel und die Spitze. Letztere ist mit einem winzigen Saumstich angebracht. Das Kleid hat, innen gemessen, eine 63 cm Taille, 36 cm Rückenlänge und 86 cm Rocklänge, ist also definitv eher wadenlang.

Am Rücken ist das Kleid unterhalb des Gürtels fein gerafft. Dieser Teil ist ebenfalls handgenäht. Innerhalb der Streifen befinidet sich eine Art rundes Band.

Geschlossen wird das Kleid mit einer Variante von Haken und Augen und Druckknöpfen. Erst schließt die Trägerin ein innenliegendes zweites Band, dann das Tüllfutter, dann den Gürtel mit Druckknöpfen und dann klappt das Kleid mit den kleinen puffigen Knöpfen, von denen neun erhalten sind und rein dekorativ in zwei Reihen an der Vorderseite angebracht sind, zur linken Seite und wird mit Druckknöpfen geschlossen. Einer der Ärmel hat einen Druckknopf, der andere nicht, und ich denke auch nicht, dass dieser Ärmel je einen hatte.

Die Vorderseite mit neun Knöpfen, das Foto ist wieder von bonblu.
Ich hoffe, ich habe den Verschluss ausreichend gut erklärt. Hier ist auch die Stelle, bei der ich vermute, dass das Kleid daheim genäht wurde. Es sind einfach so viele Haken und Augen und Druckknöpfe, manche scheinen nachträglich angebracht worden zu sein, und das Kleid hat eben kein Label. Aber die Schneiderin hatte durchaus Ahnung, was sie da tut.
Hier nochmal der Verschluss von außen, auf meiner zu großen Schneiderpuppe.
Der feine Matrosenkragen.
Ärmeldetail – das ist der Ärmel ohne Druckknopf.
Das ist der andere Ärmel mit dem Druckknopf. Der Druckknopf hält den Ärmel zusammen.
Das Kleid hat einen 12 cm breiten, einfach umgeschlagenen Saum. Dieser ist von Hand mit kleinen Geradstichen angenäht.

Insgesamt bin ich sehr glücklich mit meinem Kauf! Je öfter ich das Kleid aus seiner mit Seidenpapier ausgelegten Box hole, desto mehr entdecke ich. Nicht das ich es je tragen würde, aber es ist mir viiieeel zu klein. Unter einem Arm hat es ein Loch und ein paar Rostflecken von den Augen sind auch zu sehen, aber sonst ist es in wirklich gutem Zustand. Eventuell werde ich das Kleid einmal für mich nachnähen, das ist aber ein laaanges Projekt und wird allein für die Stoffsuche viel Zeit in Anspruch nehmen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich habe ein paar Videoclips beim Auspacken gedreht, es wird also noch ein Video zum Lingerie-Kleid geben.

Wenn es Fragen zum Kleid gibt, schreibt mir gern einen Kommentar oder eine Nachricht über das Kontaktformular!

Youtube Videos von stephanie.sews

Ich habe seit kurzem einen Youtube-Kanal. Dort gibt es Videos zu meinen Kleidern, vor allem, was alles zu einem Outfit gehört und wie frau es anzieht.

Mein Kanal ist hier stephanie.sews.

Ein Video zu einer besonderen robe á la francaise (english): 18th century.

Das Video zum Schokoladenmädchen auf Deutsch: Schokoladenmädchen.

Das Video zum Schokoladenmädchen auf English: Chocolate Girl.

Viel Spaß beim Schauen!

Wanderung um Bad Urach

Über Pfingsten sind die Kontaktbeschränkungen endlich so weit aufgehoben worden, dass meine Eltern zu Besuch kommen konnten. Ich habe vorgeschlagen, in Bad Urach wandern zu gehen, da es auch absolut perfektes Wetter werden sollte. Ich selbst war schon mal in Bad Urach – vor sieben Jahren (wo ist denn die Zeit hin?!?). Ich wusste also, dass es dort sehr hübsch ist. Das wussten leider auch gefühlt 15000 andere Menschen, besonders um den Wasserfall herum. Angesichts einer still stattfindenden Pandemie semi-optimal…

Hier ist die Route, die wir gewandert sind (minus einer kleinen Abzweigungen gen Norden, da wollte Google Maps nicht so wie ich):

10 km mit nur einem Berg von 250 m Höhe sind wirklich nicht dramatisch. Zumal Bad Urach wirklich schön ist! Hier kommen einige Eindrücke von der Wanderung:

Panorama-Aufnahme vom Runden Berg (links) über das Ermstal mit Bad Urach.
Blick durch ein Fenster der Burgruine Hohenurach Richtung Bad Urach.

Die Burgruine Hohenurach ist eigentlich eine Festungsruine. Demenstprechend groß und gut gesichert ist sie auch gewesen. Erstmals urkundlich errwähnt 1235 erlebte die Burg eine bewegte Geschichte. Die Herren von Württemberg modernisierten die Burg immer wieder und bauten aus, bis sie eine Landesfestung im 16. Jahrhundert wurde. Als Gefängnis genutzt und unter anderem im Schmalkaldischen Krieg 1547 zerstört, wurde sie jedoch immer wieder aufgebaut. 1765 erst wurde die Festung aufgegeben und ihre Steine für andere Bauwerke verwendet. Bis zur Unkenntlichkeit von Pflanzen überwuchert wurde Hohenurach zwischen 1860 und 1870 für Besucher zugänglich gemacht. In jüngster Zeit – nachdem ich vor sieben Jahren dort war – wurde die Burgruine renoviert und gesichtert und war zeitweise komplett für Besucher geschlossen. Zum Glück konnten wir große Teile wieder besichtigen.

Hohenurachss größter Baurest neben den Festungsanlagen ist der Giebel des Wirtschaftstraktes.
Ungefähr 15000 Menschen auf dem Weg zum Wasserfall.
Die Aussicht zu Burgruine macht den Umgang mit so vielen Menschen wett.
Der Hohenuracher Wasserfall. Später habe ich herausgefunden, dass es mehrere Wasserfälle* in Hohenurach gibt, vielleicht hätten wir dahin ausweichen sollen.

Der Wasserfall ist geologisch-biologisch ebenfalls interessant: Er stürzt am Albtrauf 37 m in die Tiefe und trifft auf eine Kalktuffstufe, von wo er als Bach weiter in das Maisental fließt. Das Wasser des Wasserfalls tritt als Karstquelle mit Kalk angelagert am Albtrauf aus und bildet eine Kalknase, die gelegentlich abbricht. Die Kalktuffstufe bildet sich ebenfalls duch Ablagerung von Kalk aus dem Wasser.

Zum Abschluss ein abendliches Bild aus dem Maisental.

Abgesehen von der Menschenmenge am Wasserfall eine schöne Wandertour! Am Schluss gab es noch ein sehr feines Rahmschnitzel und kühles Radler in der Wirtschaft zum Löwen in Bad Urach.

*Die Gütersteiner Wasserfälle, um genau zu sein. Die wären wohl die bessere Wahl gewesen, das wären ca. 2,5 km mehr gewesen.

Schokoladenmädchen Finale

Ich habe mir ein Stativ gekauft. Deshalb ohne viele Worte einige Fotos vom Schokoladenmädchen mit mir in Jacke und Kleid drin.

Zwei Dinge: Ich habe die Fotos im warmen Nachmittagssonnenlicht gemacht, weshalb ich den kühlen Farbton des Pastells nicht ganz treffen kann (ich mag das warme Licht aber sehr). Und Jacke und Rock sind immernoch farblich umgekehrt, aber je länger ich mich mit den Bildern beschäftigte, desto weniger stört mich das. Vielleicht gab es auch solche Schokoladenmädchen.

Links: Stephanie, 2020, Handyfoto und Bearbeitung mit Krita. Rechts: Jean-Étienne Liotard, Das Schokoladenmädchen 1774, , Pastell

Ich stelle mir Nandl mittlerweile als freches Mädchen, aber gut in ihrer Arbeit als Kaffeehausbedienung vor. Nandl war bestimmt nicht schüchtern, hat sich aber an die geltenden gesellschaftlichen Regeln ihrer Zeit gehalten. Leider weiß die Geschichte nichts genaues von Nandl oder Anna.

Übrigens trägt das Schokoladenmädchen all dies hier:

Jacke, Rock, Unterrock, Taschen, Pokissen, Schnürbrust, Unterhemd, Haube und Schürze.

Das Darunter sieht so aus (und ich liebe, dass das prinzipiell ein Unterwäschefoto von mir ist, aber niemand da so warnehmen wird!):

Die Schuhe sind ein nur ersatzweise da, ich besitze ein helles Paar Theaterschuhe in der korrekten Form. Diese sind nur gerade in einer anderen Stadt. Die roten Schuhe mussten jetzt ausreichen.

Ich hoffe, dass sich irgendwann eine Gelegenheit ergibt, dieses Kleid auch gebührend auszuführen (ich denke da an einen Kaffeehausbesuch)!

Schokoladenmädchen 3

Teil 1 der Geschichte und Teil 2 sind hier und hier zu finden.

Und es ist fertig! Ein Gutes hat das ganze Kurzarbeiten und daheim bleiben ja, dieses Projekt war überraschend schnell fertig. Alles neue (außer der Jacke) ist handgenäht, und handnähen dauert wohl doch gar nicht so lang, wie ich anfangs dachte. Mein Youtube-Video-Konsum ist leider damit sehr in die Höhe geschnellt. Ich habe manche Tage bis zu 3,5 Stunden Video geschaut, aber das waren auch die Tage, an denen ich mit der Hand genäht habe. Da ist ein bisschen Unterhaltung hilfreich.

Jedenfalls folgt hier nun das fertige Schokoladenmädchen – reverse, und irgendwann werde ich Fotos nachreichen, auf denen ich das ganze Outfit trage und ein Tablett halte. Das ist gerade aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich.

Die Profilansicht, wie sie auch auf dem Pastell zu sehen ist. Die Haube schaut etwas traurig aus, wenn da kein Kopf drin ist!

Ich mag tatsächlich die Schürze doch sehr gern, der weiße Baumwollstoff ist gerade durchscheinend genug. Die Farben sind auf dem Pastell eher matt und gedämpft, aber zum einen ist es eben ein Pastell, zum anderen sind die Kleidungsstücke des Schokoladenmädchens nicht mit modernen Farben gefärbt worden. Ich mit den bunten Farben zufrieden.

In der Frontansicht kann man gut sehen, das die Schürze, wie erwähnt, nicht voll genug ist, aber dünn genug, um Jacke und Rock durchscheinen zu lassen.

Es fehlte am Gesamtbild ja nur noch die Haube. Die Seide dazu war ja schon eingetroffen, nur hatte ich nicht bedacht, das ich für den vorderen Haubenstreifen festes Material brauchte. Da einfach so in den Stoffladen gehen an dem Tag noch keine Option war habe ich mich für einen festen Karton entschieden, den ich noch da hatte. Das gleiche gilt für die Spitze, die nicht füllig genug ist und eventuell nochmal überarbeitet wird – obwohl mir die Spitze an sich gefällt. Das blaue Band musste ich dann auch noch bestellen, da ich nur grünes Band hatte.

Eine Nahaufnahme der Haube im Profil.

Die Haube war dann leider doch kein Projekt, dass ich aus vorhandenem Material bestreiten konnte. Da ich nicht gut im Hauben machen bin und auch keinen Spaß daran habe, bin ich aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden! Mit einem Dutt, wie ihn das Schokoladenmädchen wohl drrunter trägt, formt sich meine Haube wie im Pastell von Liotard wiedergegeben. Das blaue Band ist übrigens ausreichend, um die Haube am Kopf zu halten, keine Nadeln notwendig. Daher ist das Band auch lose.

Damit ist das nächste große Nähprojekt fertig! Ich hoffe, dass ich es irgendwann ausführen kann.

Schokoladenmädchen 2

Es geht weiter! Hier ist der erste Teil der Geschichte.

Ich habe mit der Schürze weiter gemacht. Für diese hatte ich noch (ein klein bisschen zu wenig) weißen Baumwollstoff da. Die Schürze ist daher nicht so füllig wie auf dem Gemälde und irgendwann werde ich eine neue machen, aber funktional ist sie auf jeden Fall. Ich habe die Schürze mit einem normalen Reihstich mit Baumwollgarn genäht.

So sieht das aus, wenn ich viel von Hand nähe.

Der aktuelle Stand des Projekts sieht so aus:

Das Fichu oder Schultertuch ist eigentlich leicht gestreift, was ich beim Vergrößern des Pastells entdeckt habe. Eventuell werde ich aber trotzdem dieses vorhandene und ebenfalls von Hand gesäumte Fichu verweden, da es optisch gut passt – und ich sowieso keine genaue Reproduktion mache.

Von vorn wirkt das ganze Ensemble noch mehr wie ein Kleid der mittleren Klasse. Man denke sich nur ein Tablett dazu….

Die Seide für die Haube kam gesten mit der Post – und sie ist absolut perfekt! Genau der richtige Rosaton, und auch der weiße Schimmer entspricht dem Portrait.

Zum Schluss noch einen Einblick in meine Recherche: Hier ist die Doppelseite zum Projekt in meinem Nähbuch, in dem ich Inspiration und Anleitungen gleichmaßen sammle:

Dank dieser Doppelseite ist mir aufgefallen, das das Fichu gestreift ist. Ein bisschen bereue ich ja, das die Farben bei mir umgekehrt sind, allerdings würde das gelb meiner Seide ohnehin nicht direkt zum rosa der Haube passen…. Die Jacke ist doch mehr senffarben als gelb. Andereseits gab es die Jacke nun einmal schon. Wir werden sehen, wohin mich dieses Projekt noch führt!

Angefangen: Das Schokoladenmädchen – invers (Corona-Tagebuch Tag 9 und 10)

Ich habe etwas Neues angefangen! Durch Corona hatt ich einiges an freier Zeit (das werde ich sehr vermissen!). Diese habe ich genutzt, um meine Stofftruhe durchzugehen. Leider war kein geeigneter Stoff für Masken dabei, alles entweder zu dick, zu dünn oder zu grob gewebt. Generell hatte ich nicht mehr viel auf Lager, viele Reste, ein großes Stück Wolle in schwarz (das ist jetzt ein Rock), aber nichts in großen Mengen. Also habe ich Stoff bestellt. Dank der unermüdlich arbeitenden Paketboten kam meine Seide in hellgrün und gelb auch recht fix.

Work in Progress auf dem Sofa, da im Arbeitszimmer Home Office betrieben wurde.

Ich hatte ja hier schon diese blaue Jacke vorgestellt. Die gelbe Seide habe ich für einen Rock zu eben dieser Jacke verwendet! Ich habe American Duchess Anleitung aus ihrem Buch verwendet, im Kapitel The Italian Gown wird genau erklärt, wie man ein Petticoat in historischer Technik näht. Drei Tage später hatte ich also einen gelben Rock.

Noch ein Fichu dazu und eine Haube….

Als ich beides zusammen auf die Puppe gezogen habe fühlte ich mich sehr an den Schokoldenmädchen von Liotard erinnert, nur eben mit umgekehrten Farben.

Das Schokoladenmädchen von Jean-Etienne Liotard, 1743-1745, Pastell auf Pergament, Alte Meister Dresden.

Fehlt noch eine Haube, für die ich schon passenden Stoff online gefunden habe, und Schuhe. Unterkleidung und ein Tablett habe ich schon.

Mal sehen, wo hin mich dieses Projekt noch führt.

Aufm Congress

Es war endlich so weit, der 36. Chaos Communication Congress stand an! Letztes Jahr hatte ich ja schon vom 35C3 berichtet, und dieses Jahr ist es zwar nicht live (so ein Quark), aber es soll einen Bericht geben.

Diesmal hatten wir ein Hotelzimmer an der Messe gemietet, weswegen wir an Tag eins erstmal unser Gepäck an der Garderobe abgeben mussten. Aber dann ging es gleich richtig los, mit der Opening Ceremony. Gleich danach ging es zum ersten Workshop: Japanese (Reading) Beginner to Expert. Das war ein Crashkurs zum lesen und ein wenig schreiben von japanischen Zeichen und sehr lehrreich, vor allem die Weitergabe von vielen, vielen Lernageboten durch Taulex war super. Wenn ich jetzt nur noch dranbleiben würde könnte ich bestimmt irgendwann Japanisch lesen…. Dann Gepäck ins Hotel bringen (das viele Geld hatte sich gelohnt, das war ein feines Hotel!) und wieder zurück zum Talk von Karla über Climate Modeling. Hier habe ich vor allem eine Definition des Unterschieds zwischen Wetter und Klima mitgenommen, der Donald Trump ja immer noch nicht klar ist. Dabei hat Karla das so knackig erklärt. Im Anschluss war ich bei einem kurzen Talk über Orientalismus, der mir zwar nichts neues erzählt hat, aber immerhin ein größeres Publikum für diese problematische Weltsicht (wir vs. die anderen) erreichen konnte.

An Tag eins habe ich mich auch als Engel registriert, da dann aber schon nur noch eine Schicht an Tag drei bekommen. Das Engeln ist so beliebt, das es während des Congresses nicht an freiwilligen Helfern mangelt. Ich wollte vor allem der Community etwas zurück geben, hatten wir doch über den Ticketpreis schon etwas gespendet.

Da wir gern Podcasts hören, unser Lieblingspodcast ist Methodisch Inkorrekt, waren wir gleich an Tag eins bei der Podcast-Bühne. Hier haben sich Jenny und Advi auf- und abgeregt und Roddi hat bei Och Menno! über seine Erfahrungen mit E-Mobilität berichtet.

Wir haben den ersten Tag recht früh abgeschlossen, da das eben auch unser gemeinsamer Jahresurlaub war. Die Messe war auch dieses Jahr wunderbar gestaltet, mit einer großen Lasershow in der Glashalle und Installationen in jeder Halle und einem großen Bereich für Kunstwerke zum angucken und mitmachen. Allerdings, und das ist im Umfeld vom Chaos Computer Club auch sinnvoll, darf man keine Menschen fotografieren, ohne sie zu fragen, also gibt es am besten nur Fotos ohne Menschen drauf. Davon habe ich ein paar zum Herzeigen.

Im Congress Centrum Leipzig, das einfach Teil des Congresses war – der CCC bespielt die komplette Messe – gab es in der Chill-Out-Zone einen Infinity Cube.

Tag zwei begann mit einem umfangreichen Frühstück im Hotel (da gab es wirklich alles, bis hin zu Leipziger Lerchen), bei dem wir vermutlich unter uns Congressgängern waren. Jedefalls sind mir kaum Leute ohne Bändchen aufgefallen. Sehr angenehm! Für uns stand um 11 Uhr schon der erste Workshop an: Python Programming for Absolute Beginners. Das war was für mich, ich kann überhaupt nicht programmieren. Der Workshop war sehr gut, Ingo hat den wirklich gut vorbereitet und geleitet. Ich kann sagen, dass ich bisher das Beispielproblem schon daheim reproduzieren und lösen konnte (mit ein bisschen Unterstützung, ich bin ja total neu). Ich wollte gern zum Origami-Kurs von Cyberpilot, an dem ich letztes Jahr schon teilgenommen hatte, um eventuell zu helfen. Der Kurs war doppelt so voll wie das Jahr davor! Wirklich helfen konnte ich nur bei den Kranichen, an der Blume bin ich peinlicherweise total gescheitert. Ähem. Die Blume möchte ich daheim noch nachfalten, das hat mich gestört. Es war aber ein toller Workshop, die Teilnehmer haben sich schnell gegenseitig geholfen und die Stimmung war fröhlich. Am Ende hatte jeder mindestens zwei Origamimodelle.

Ich glaube, den Nachmittag haben wir mit Kunst anschauen und Freunde treffen verbracht. Es war jedenfalls nicht langweilig! Abends besuchten wir den Vortrag von David Kriesel: BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier. Den empfehle ich nachzuschauen, der war nicht nur inhaltlich, ja, bahnbrechend, sondern auch lustig. Das die Deutsche Bahn im Fernverkehr nicht immer so pünktlich ist wie sie behauptet, und wie die Bahn überhaupt Pünktlichkeit definiert, das ist sehr erhellend. Für Leute, die Bahn fahren, aber auch Leute, die das nicht tun. Unterhaltsam ausgewertete Daten sind immer sehenswert.

Ein Kunstwerk von Julian Finn, zu dem man den Code und die Bauanleitung im Internet finden kann.

Tag drei startete nicht so perfekt, denn wir kamen in den Vortrag von Mona Google-sensei und Leiharbeit – IT in Japan gar nicht mehr rein. Da waren doppelte so viele Leute wie Platz im Raum! Mona hatte recht spontan einen Spot in den self-organised-Sessions gebucht und wohl das Interesse unterschätzt. Da hat sie uns später erzählt, um 18:45 Uhr gab es dann einen zweiten Termin für diesen Vortrag. Leicht chaotisch, denn das war natürlich nicht geplant. Was wäre ein Congress ohne Chaos. Aber hoch interessant! In Japan wird in der Arbeitswelt auf ganz andere Arten der Qualifikation Wert gelegt als hier, die ganze Unternehmenskultur ist anders. Die Unternehmenskultur ist manchmal aber eben doch der durchschnittlichen deutschen Unternehmenskultur sehr ähnlich.

Wir mussten nicht lange suchen, um einen anderen Vortrag zu finden, der uns interessiert, also haben wir uns mit etwas Mate und Rhabarberlimo in den Vortrag von Gunnar Thöle Wie man ein klimafreundlichen Haus baut gesetzt. Am besten baut man neu und dann ein Passivhaus. Und Isolation ist wichtig! Es folgten zwei Vorträge, die eher was für meinen IT-Freund waren, Linux on Open Source Hardware and Open Source chip design und FinFisher, see You in Court! . Open Source Hardware fand ich auch ganz interessant, denn das meiste an Hardware ist eben nicht Open Source. Da gibt es mittlerweile einige Optionen, aber die muss man auch kennen. FinFisher, eine Firma, die Staatstrojaner baut, wurde von netzpolitik.org und weiteren angezeigt, weil die Software in anderen Ländern benutzt wurde, wo sie nicht hingehört, in der Türkei zum Beispiel. Wie die Software da wohl hin gekommen ist? Eher nicht auf legalem Weg.

Nach Google-Sensei begann meine kleine Schicht als Engel, die darin bestand, zu schauen, dass keine nicht-Engel und keine Leute ohne festes Schuhwerk in das BOC/LOC laufen. BOC – Bottle Operation Center, wo die zu verkaufenden und die Pfandflaschen sortiert werden, LOC – Logistics Operation Center. Am Ende war es mir und meinem Mitengel Shark eher ein Spiel: “Gilt das jetzt als Schuhe oder nicht?”. Am Ende meiner Schicht haben wir uns wiedergefunden, Freunde getroffen und kurz in die Disko reingeschaut, die wirklich krass gut dekoriert war. Die Musik war nicht unser Ding, vor allem aber: laut. Da war es uns im Hotel mit einem Whisk(e)y lieber.

Hier habe ich ein paar Leute fotografiert, ohne sie zu fragen, standen auch eher im Hintergrund rum. Deshalb der schlechte Anonymitätsbalken. Das Einhorn war echt gut gemacht! Genähter Bezug mit Druckknöpfen und allem. Und LEDs, natürlich.

Tag vier, nach dem Hotelfrühstück unter uns, begann mit einem Nickerchen. Das war dann doch etwas viel Congress. Am frühen Nachmittag hatte ich mir Helen Leighs Vortrag Hackers & Makers changing music technology in den Fahrplan eingetragen. Bei Helen Leigh hatte ich ja im Jahr davor einen Workshop über Electric Sewing besucht. Ihr Talk war sehr gut, mit vielen guten Beispielen für Musikinstrumente und einem Geschichtstündchen mit Dr. Who. Security Nightmares, eigentlich ein Highlight jedes Jahr, war ein bisschen traurig. Aber das soll es wohl sein. Die Closing Ceremony war gleichzeitig witzig und auch ein bisschen traurig. Danach fängt der Abbau an, dann ist’s vorbei, wie schade.

Das war wohl die am meisten fotografierte Installation auf dem ganzen Congress. Die war aber auch toll!

So schlimm hatte ich noch nie Post-Festival-Depression. Der Congress war viel zu schnell vorbei, viel zu interessant, viel zu viel Neues gelernt, viel zu viele nette, höfliche, (normale) Leute, viel zu guter Umgang, jeder kann sein wie er will, niemand zwingt einen zu etwas. Dagegen erscheint mir mein Alltag und mein alltäglicher Umgang mit Menschen, ja, erschreckend und deprimierend. Zum Glück kommt die Gulaschprogrammiernacht im Mai zu meiner Rettung.

Links:

BahnMining von David Kriesel: klick

Kunst von Julian Finn: klick

Urlaub in Somerset

Ich bin zwar schon seit vier Wochen wieder da, aber ich möchte dennoch ein bisschen von meinem diesjährigen Sommerurlaub berichten. Ich war mal wieder in England, da meine Schwester dort auf ihrem Hausboot lebt. Diesmal war ich nur drei volle Tage dort, aber hatte einen Tag Anreise und einen Tag Abreise, da ich von Karlsruhe nach Bath mit dem Zug gefahren bin. Die Anreise war okay, die Sicherheitskontrolle in Brüssel hat etwas genervt, aber im Großen und Ganzen kann ich Zugfahren nur empfehlen. Und so viel länger als fliegen hat es auch nicht gedauert (ca. 1 Stunde länger insgesamt), Zeit ist also kein Argument mehr.

Der Bristol-Avon am morgen. Unter der Böschung verstecken sich Hausboote.

Am ersten Tag habe ich mit Sophie von ihrem Boot aus eine Wanderung rund im Saltford gemacht. In diesem Urlaub hatte ich endlich mal englisches Wetter mit regelmäßigem Regengüssen. Das war nach der ganzen Hitze im Rheintal eine angenehme Abwechslung, hat aber auch ein wenig genervt, denn wie sich herausstellte waren meine Schuhe eben doch nicht wasserdicht. Und mein Rücksack durfte sich öfter als geplant unter der extra dafür mitgebrachten Plastiktüte verstecken, der war von vornherein nicht wasserdicht. Aber die Wanderung war dennoch sehr schön, wir haben viele Tiere gesehen, viel Natur und ein Römisches Fort.

Englische Tiere, die sich von selbst so malerisch auf ihre Weide gestellt haben.
Das römische Fort, das eigentlich nur noch aus den Wällen bestand. Die Trockensteinmauern wurden später auf die Wälle gesetzt. Man konnte vor allem im Inneren des Fort gut erkennen, das hier mal Römer waren. Während die Wege sich sonst eher schlängeln, war hier alles wie mit dem Lineal gezogen.

Das Titelbild ist übrigens auch von dieser Wanderung, es zeigt ein Panorama über den Kelston Round Hill.

Am zweiten Tag sind wir mir dem Fahrrad nach Bath gefahren. Ich wollte gern in das William Herschel Astronomy Museum, da ich zwar wusste, das Herschel mit seiner Schwester Caroline in Bath gelebt hat, aber nicht, dass es ein Museum gibt. Das hatte ich erst bei meinem letzten Besuch in Bath herausgefunden. Deshalb wollte ich das jetzt nachholen. Das kleine, aber feine Museum ist sehenswert, es gibt sowohl eine Hauseinrichtung zu sehen, die darstellt, wie die Herschels gelebt haben, aber auch viele astronomische Instrumente und viele Informationen zu den Entdeckungen von Wilhelm und Caroline Herschel.

Herschel hat 1800 das Infrarotlicht mit einem Prisma wie diesem entdeckt.
Sophie und ich waren auch so in Bath unterwegs, hier eine Ansicht der Pulteney Bridge.

Nach meinen liebsten Sandwiches im Green Bird Café wollte ich gern noch in das Museum im Royal Crescent No. 1, das ich erst auf einem Flyer im Herschel-Museum entdeckt habe. Es war ziemlich stürmisch und regnerisch an dem Tag, und obwohl Sophie nicht jedes Museum von innen sehen muss, sind wir zusammen hingegangen.

Die Bilder sind etwas verschwommen, da man, natürlich, nicht mit Blitz fotografieren durfte. Hier das “Wohnzimmer”.

Nachdem man seine 12 Pfund Eintritt pro Kopf abgegeben hat (eins der teuersten Museen, in denen ich in England je war), bekam man zuerst das Wohnqartier des Bewohners der georgianischen Zeit, Henry Sandford, zu sehen. Ja, das ganze Haus war nur für diesen einen Mann und gelegentlich seine Schwiegertochter eingerichtet! Als Teil des irischen Parlamentes muss Sandford irgendwie durch Handel zu Geld gekommen sein, und wenn ein Museum das nur so vage beschreibt, dann war das oftmals Sklavenhandel…. Aber Sophie und ich sind uns da nicht sicher, deshalb muss da so stehen bleiben. Die “upstairs” Wohnquartiere waren jedenfalls modisch in ihrer Zeit hergerichtet und hübsch, aber der beste Teil war “downstairs”: Die Dienerschaftsquartiere!

Das Zimmer der Haushälterin im Keller.

Ich habe, als Kontrast, nur mal das Zimmer der Haushälterin eingefügt. Es gab auch noch zwei komplette Küchen, einen Essensaal, eine Vorratskammer und einen genrellen Haushaltsraum mit Brunnen und Bügelstation zu sehen. Sehr viel interessanter als “upstairs”, denn dieser Teil des historischen Lebens wird in Museen sehr oft ausgespart.

An meinem letzten Tag in Somerset ist Sophie mit mit nach Clevedon gefahren, endlich mal den viktorianischen Clevedon Pier angucken. Das Wetter war wieder recht wechselhaft, aber den schlimmsten Regen hatten wir, als wir im Bus von Bristol nach Clevedon saßen. Danach war es nur noch sehr windig.

Sophie und ich sind mit dem Rad nach Saltford zur Bushaltestelle gefahren, hier ein Landschaftsbild bei gutem Wetter mit Trockensteinmauer.

Clevedon mochte ich, auch wenn Sonntags die meisten Geschäfte bis auf Cafés und einem Buchladen geschlossen hatten. Der Pier selbst ist sehr hübsch, es gibt auch ein kleines Museum zur Geschichte des Piers. Man kann dank einer Plakette am Ende des Piers die Cargoschiffe identifizieren, die nach Cardiff oder Bristol unterwegs sind.

Clevedon Pier bei Ebbe. Der Strand besteht wie so oft in England aus Kieseln, hübschen Kieseln.
Es war ein Angelwettbewerb auf dem Pier im Gange.

Sophie wollte gern schwimmen gehen und ich wollte ans Wasser, also sind wir zur Ladye Bay gelaufen. Da ist es echt hübsch! Nicht direkt ein Geheimtipp, aber Platz genug für alle Besucher. Dort kam fast Sommerurlaubsfeeling auf! Sophie konnte wegen der hohen Wellen dann doch nicht richtig schwimmen gehen, aber ich konnte Steinchen sammeln und meine Füße ins Wasser halten. Und die Sonne schien.

Ladye Bay an einem malerischen Tag. Aus der Wolke im Hintergrund hat es ab und an auf dem Wasser geregnet, aber sie blieb auf dem Wasser.

Wieder einmal ein sehr schöner Urlaub in Somerset. Auf dem Rückweg habe ich noch einige Stunden in London einen Stopp eingelegt, um in Kings Cross beim Gleis 9 3/4 einkaufen zu gehen. Dann fuhr auch schon mein Eurostar nach Köln.