Wanderung um Bad Urach

Über Pfingsten sind die Kontaktbeschränkungen endlich so weit aufgehoben worden, dass meine Eltern zu Besuch kommen konnten. Ich habe vorgeschlagen, in Bad Urach wandern zu gehen, da es auch absolut perfektes Wetter werden sollte. Ich selbst war schon mal in Bad Urach – vor sieben Jahren (wo ist denn die Zeit hin?!?). Ich wusste also, dass es dort sehr hübsch ist. Das wussten leider auch gefühlt 15000 andere Menschen, besonders um den Wasserfall herum. Angesichts einer still stattfindenden Pandemie semi-optimal…

Hier ist die Route, die wir gewandert sind (minus einer kleinen Abzweigungen gen Norden, da wollte Google Maps nicht so wie ich):

10 km mit nur einem Berg von 250 m Höhe sind wirklich nicht dramatisch. Zumal Bad Urach wirklich schön ist! Hier kommen einige Eindrücke von der Wanderung:

Panorama-Aufnahme vom Runden Berg (links) über das Ermstal mit Bad Urach.
Blick durch ein Fenster der Burgruine Hohenurach Richtung Bad Urach.

Die Burgruine Hohenurach ist eigentlich eine Festungsruine. Demenstprechend groß und gut gesichert ist sie auch gewesen. Erstmals urkundlich errwähnt 1235 erlebte die Burg eine bewegte Geschichte. Die Herren von Württemberg modernisierten die Burg immer wieder und bauten aus, bis sie eine Landesfestung im 16. Jahrhundert wurde. Als Gefängnis genutzt und unter anderem im Schmalkaldischen Krieg 1547 zerstört, wurde sie jedoch immer wieder aufgebaut. 1765 erst wurde die Festung aufgegeben und ihre Steine für andere Bauwerke verwendet. Bis zur Unkenntlichkeit von Pflanzen überwuchert wurde Hohenurach zwischen 1860 und 1870 für Besucher zugänglich gemacht. In jüngster Zeit – nachdem ich vor sieben Jahren dort war – wurde die Burgruine renoviert und gesichtert und war zeitweise komplett für Besucher geschlossen. Zum Glück konnten wir große Teile wieder besichtigen.

Hohenurachss größter Baurest neben den Festungsanlagen ist der Giebel des Wirtschaftstraktes.
Ungefähr 15000 Menschen auf dem Weg zum Wasserfall.
Die Aussicht zu Burgruine macht den Umgang mit so vielen Menschen wett.
Der Hohenuracher Wasserfall. Später habe ich herausgefunden, dass es mehrere Wasserfälle* in Hohenurach gibt, vielleicht hätten wir dahin ausweichen sollen.

Der Wasserfall ist geologisch-biologisch ebenfalls interessant: Er stürzt am Albtrauf 37 m in die Tiefe und trifft auf eine Kalktuffstufe, von wo er als Bach weiter in das Maisental fließt. Das Wasser des Wasserfalls tritt als Karstquelle mit Kalk angelagert am Albtrauf aus und bildet eine Kalknase, die gelegentlich abbricht. Die Kalktuffstufe bildet sich ebenfalls duch Ablagerung von Kalk aus dem Wasser.

Zum Abschluss ein abendliches Bild aus dem Maisental.

Abgesehen von der Menschenmenge am Wasserfall eine schöne Wandertour! Am Schluss gab es noch ein sehr feines Rahmschnitzel und kühles Radler in der Wirtschaft zum Löwen in Bad Urach.

*Die Gütersteiner Wasserfälle, um genau zu sein. Die wären wohl die bessere Wahl gewesen, das wären ca. 2,5 km mehr gewesen.

Schokoladenmädchen Finale

Ich habe mir ein Stativ gekauft. Deshalb ohne viele Worte einige Fotos vom Schokoladenmädchen mit mir in Jacke und Kleid drin.

Zwei Dinge: Ich habe die Fotos im warmen Nachmittagssonnenlicht gemacht, weshalb ich den kühlen Farbton des Pastells nicht ganz treffen kann (ich mag das warme Licht aber sehr). Und Jacke und Rock sind immernoch farblich umgekehrt, aber je länger ich mich mit den Bildern beschäftigte, desto weniger stört mich das. Vielleicht gab es auch solche Schokoladenmädchen.

Links: Stephanie, 2020, Handyfoto und Bearbeitung mit Krita. Rechts: Jean-Étienne Liotard, Das Schokoladenmädchen 1774, , Pastell

Ich stelle mir Nandl mittlerweile als freches Mädchen, aber gut in ihrer Arbeit als Kaffeehausbedienung vor. Nandl war bestimmt nicht schüchtern, hat sich aber an die geltenden gesellschaftlichen Regeln ihrer Zeit gehalten. Leider weiß die Geschichte nichts genaues von Nandl oder Anna.

Übrigens trägt das Schokoladenmädchen all dies hier:

Jacke, Rock, Unterrock, Taschen, Pokissen, Schnürbrust, Unterhemd, Haube und Schürze.

Das Darunter sieht so aus (und ich liebe, dass das prinzipiell ein Unterwäschefoto von mir ist, aber niemand da so warnehmen wird!):

Die Schuhe sind ein nur ersatzweise da, ich besitze ein helles Paar Theaterschuhe in der korrekten Form. Diese sind nur gerade in einer anderen Stadt. Die roten Schuhe mussten jetzt ausreichen.

Ich hoffe, dass sich irgendwann eine Gelegenheit ergibt, dieses Kleid auch gebührend auszuführen (ich denke da an einen Kaffeehausbesuch)!

Schokoladenmädchen 2

Es geht weiter! Hier ist der erste Teil der Geschichte.

Ich habe mit der Schürze weiter gemacht. Für diese hatte ich noch (ein klein bisschen zu wenig) weißen Baumwollstoff da. Die Schürze ist daher nicht so füllig wie auf dem Gemälde und irgendwann werde ich eine neue machen, aber funktional ist sie auf jeden Fall. Ich habe die Schürze mit einem normalen Reihstich mit Baumwollgarn genäht.

So sieht das aus, wenn ich viel von Hand nähe.

Der aktuelle Stand des Projekts sieht so aus:

Das Fichu oder Schultertuch ist eigentlich leicht gestreift, was ich beim Vergrößern des Pastells entdeckt habe. Eventuell werde ich aber trotzdem dieses vorhandene und ebenfalls von Hand gesäumte Fichu verweden, da es optisch gut passt – und ich sowieso keine genaue Reproduktion mache.

Von vorn wirkt das ganze Ensemble noch mehr wie ein Kleid der mittleren Klasse. Man denke sich nur ein Tablett dazu….

Die Seide für die Haube kam gesten mit der Post – und sie ist absolut perfekt! Genau der richtige Rosaton, und auch der weiße Schimmer entspricht dem Portrait.

Zum Schluss noch einen Einblick in meine Recherche: Hier ist die Doppelseite zum Projekt in meinem Nähbuch, in dem ich Inspiration und Anleitungen gleichmaßen sammle:

Dank dieser Doppelseite ist mir aufgefallen, das das Fichu gestreift ist. Ein bisschen bereue ich ja, das die Farben bei mir umgekehrt sind, allerdings würde das gelb meiner Seide ohnehin nicht direkt zum rosa der Haube passen…. Die Jacke ist doch mehr senffarben als gelb. Andereseits gab es die Jacke nun einmal schon. Wir werden sehen, wohin mich dieses Projekt noch führt!

Aufm Congress

Es war endlich so weit, der 36. Chaos Communication Congress stand an! Letztes Jahr hatte ich ja schon vom 35C3 berichtet, und dieses Jahr ist es zwar nicht live (so ein Quark), aber es soll einen Bericht geben.

Diesmal hatten wir ein Hotelzimmer an der Messe gemietet, weswegen wir an Tag eins erstmal unser Gepäck an der Garderobe abgeben mussten. Aber dann ging es gleich richtig los, mit der Opening Ceremony. Gleich danach ging es zum ersten Workshop: Japanese (Reading) Beginner to Expert. Das war ein Crashkurs zum lesen und ein wenig schreiben von japanischen Zeichen und sehr lehrreich, vor allem die Weitergabe von vielen, vielen Lernageboten durch Taulex war super. Wenn ich jetzt nur noch dranbleiben würde könnte ich bestimmt irgendwann Japanisch lesen…. Dann Gepäck ins Hotel bringen (das viele Geld hatte sich gelohnt, das war ein feines Hotel!) und wieder zurück zum Talk von Karla über Climate Modeling. Hier habe ich vor allem eine Definition des Unterschieds zwischen Wetter und Klima mitgenommen, der Donald Trump ja immer noch nicht klar ist. Dabei hat Karla das so knackig erklärt. Im Anschluss war ich bei einem kurzen Talk über Orientalismus, der mir zwar nichts neues erzählt hat, aber immerhin ein größeres Publikum für diese problematische Weltsicht (wir vs. die anderen) erreichen konnte.

An Tag eins habe ich mich auch als Engel registriert, da dann aber schon nur noch eine Schicht an Tag drei bekommen. Das Engeln ist so beliebt, das es während des Congresses nicht an freiwilligen Helfern mangelt. Ich wollte vor allem der Community etwas zurück geben, hatten wir doch über den Ticketpreis schon etwas gespendet.

Da wir gern Podcasts hören, unser Lieblingspodcast ist Methodisch Inkorrekt, waren wir gleich an Tag eins bei der Podcast-Bühne. Hier haben sich Jenny und Advi auf- und abgeregt und Roddi hat bei Och Menno! über seine Erfahrungen mit E-Mobilität berichtet.

Wir haben den ersten Tag recht früh abgeschlossen, da das eben auch unser gemeinsamer Jahresurlaub war. Die Messe war auch dieses Jahr wunderbar gestaltet, mit einer großen Lasershow in der Glashalle und Installationen in jeder Halle und einem großen Bereich für Kunstwerke zum angucken und mitmachen. Allerdings, und das ist im Umfeld vom Chaos Computer Club auch sinnvoll, darf man keine Menschen fotografieren, ohne sie zu fragen, also gibt es am besten nur Fotos ohne Menschen drauf. Davon habe ich ein paar zum Herzeigen.

Im Congress Centrum Leipzig, das einfach Teil des Congresses war – der CCC bespielt die komplette Messe – gab es in der Chill-Out-Zone einen Infinity Cube.

Tag zwei begann mit einem umfangreichen Frühstück im Hotel (da gab es wirklich alles, bis hin zu Leipziger Lerchen), bei dem wir vermutlich unter uns Congressgängern waren. Jedefalls sind mir kaum Leute ohne Bändchen aufgefallen. Sehr angenehm! Für uns stand um 11 Uhr schon der erste Workshop an: Python Programming for Absolute Beginners. Das war was für mich, ich kann überhaupt nicht programmieren. Der Workshop war sehr gut, Ingo hat den wirklich gut vorbereitet und geleitet. Ich kann sagen, dass ich bisher das Beispielproblem schon daheim reproduzieren und lösen konnte (mit ein bisschen Unterstützung, ich bin ja total neu). Ich wollte gern zum Origami-Kurs von Cyberpilot, an dem ich letztes Jahr schon teilgenommen hatte, um eventuell zu helfen. Der Kurs war doppelt so voll wie das Jahr davor! Wirklich helfen konnte ich nur bei den Kranichen, an der Blume bin ich peinlicherweise total gescheitert. Ähem. Die Blume möchte ich daheim noch nachfalten, das hat mich gestört. Es war aber ein toller Workshop, die Teilnehmer haben sich schnell gegenseitig geholfen und die Stimmung war fröhlich. Am Ende hatte jeder mindestens zwei Origamimodelle.

Ich glaube, den Nachmittag haben wir mit Kunst anschauen und Freunde treffen verbracht. Es war jedenfalls nicht langweilig! Abends besuchten wir den Vortrag von David Kriesel: BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier. Den empfehle ich nachzuschauen, der war nicht nur inhaltlich, ja, bahnbrechend, sondern auch lustig. Das die Deutsche Bahn im Fernverkehr nicht immer so pünktlich ist wie sie behauptet, und wie die Bahn überhaupt Pünktlichkeit definiert, das ist sehr erhellend. Für Leute, die Bahn fahren, aber auch Leute, die das nicht tun. Unterhaltsam ausgewertete Daten sind immer sehenswert.

Ein Kunstwerk von Julian Finn, zu dem man den Code und die Bauanleitung im Internet finden kann.

Tag drei startete nicht so perfekt, denn wir kamen in den Vortrag von Mona Google-sensei und Leiharbeit – IT in Japan gar nicht mehr rein. Da waren doppelte so viele Leute wie Platz im Raum! Mona hatte recht spontan einen Spot in den self-organised-Sessions gebucht und wohl das Interesse unterschätzt. Da hat sie uns später erzählt, um 18:45 Uhr gab es dann einen zweiten Termin für diesen Vortrag. Leicht chaotisch, denn das war natürlich nicht geplant. Was wäre ein Congress ohne Chaos. Aber hoch interessant! In Japan wird in der Arbeitswelt auf ganz andere Arten der Qualifikation Wert gelegt als hier, die ganze Unternehmenskultur ist anders. Die Unternehmenskultur ist manchmal aber eben doch der durchschnittlichen deutschen Unternehmenskultur sehr ähnlich.

Wir mussten nicht lange suchen, um einen anderen Vortrag zu finden, der uns interessiert, also haben wir uns mit etwas Mate und Rhabarberlimo in den Vortrag von Gunnar Thöle Wie man ein klimafreundlichen Haus baut gesetzt. Am besten baut man neu und dann ein Passivhaus. Und Isolation ist wichtig! Es folgten zwei Vorträge, die eher was für meinen IT-Freund waren, Linux on Open Source Hardware and Open Source chip design und FinFisher, see You in Court! . Open Source Hardware fand ich auch ganz interessant, denn das meiste an Hardware ist eben nicht Open Source. Da gibt es mittlerweile einige Optionen, aber die muss man auch kennen. FinFisher, eine Firma, die Staatstrojaner baut, wurde von netzpolitik.org und weiteren angezeigt, weil die Software in anderen Ländern benutzt wurde, wo sie nicht hingehört, in der Türkei zum Beispiel. Wie die Software da wohl hin gekommen ist? Eher nicht auf legalem Weg.

Nach Google-Sensei begann meine kleine Schicht als Engel, die darin bestand, zu schauen, dass keine nicht-Engel und keine Leute ohne festes Schuhwerk in das BOC/LOC laufen. BOC – Bottle Operation Center, wo die zu verkaufenden und die Pfandflaschen sortiert werden, LOC – Logistics Operation Center. Am Ende war es mir und meinem Mitengel Shark eher ein Spiel: “Gilt das jetzt als Schuhe oder nicht?”. Am Ende meiner Schicht haben wir uns wiedergefunden, Freunde getroffen und kurz in die Disko reingeschaut, die wirklich krass gut dekoriert war. Die Musik war nicht unser Ding, vor allem aber: laut. Da war es uns im Hotel mit einem Whisk(e)y lieber.

Hier habe ich ein paar Leute fotografiert, ohne sie zu fragen, standen auch eher im Hintergrund rum. Deshalb der schlechte Anonymitätsbalken. Das Einhorn war echt gut gemacht! Genähter Bezug mit Druckknöpfen und allem. Und LEDs, natürlich.

Tag vier, nach dem Hotelfrühstück unter uns, begann mit einem Nickerchen. Das war dann doch etwas viel Congress. Am frühen Nachmittag hatte ich mir Helen Leighs Vortrag Hackers & Makers changing music technology in den Fahrplan eingetragen. Bei Helen Leigh hatte ich ja im Jahr davor einen Workshop über Electric Sewing besucht. Ihr Talk war sehr gut, mit vielen guten Beispielen für Musikinstrumente und einem Geschichtstündchen mit Dr. Who. Security Nightmares, eigentlich ein Highlight jedes Jahr, war ein bisschen traurig. Aber das soll es wohl sein. Die Closing Ceremony war gleichzeitig witzig und auch ein bisschen traurig. Danach fängt der Abbau an, dann ist’s vorbei, wie schade.

Das war wohl die am meisten fotografierte Installation auf dem ganzen Congress. Die war aber auch toll!

So schlimm hatte ich noch nie Post-Festival-Depression. Der Congress war viel zu schnell vorbei, viel zu interessant, viel zu viel Neues gelernt, viel zu viele nette, höfliche, (normale) Leute, viel zu guter Umgang, jeder kann sein wie er will, niemand zwingt einen zu etwas. Dagegen erscheint mir mein Alltag und mein alltäglicher Umgang mit Menschen, ja, erschreckend und deprimierend. Zum Glück kommt die Gulaschprogrammiernacht im Mai zu meiner Rettung.

Links:

BahnMining von David Kriesel: klick

Kunst von Julian Finn: klick

Urlaub in Somerset

Ich bin zwar schon seit vier Wochen wieder da, aber ich möchte dennoch ein bisschen von meinem diesjährigen Sommerurlaub berichten. Ich war mal wieder in England, da meine Schwester dort auf ihrem Hausboot lebt. Diesmal war ich nur drei volle Tage dort, aber hatte einen Tag Anreise und einen Tag Abreise, da ich von Karlsruhe nach Bath mit dem Zug gefahren bin. Die Anreise war okay, die Sicherheitskontrolle in Brüssel hat etwas genervt, aber im Großen und Ganzen kann ich Zugfahren nur empfehlen. Und so viel länger als fliegen hat es auch nicht gedauert (ca. 1 Stunde länger insgesamt), Zeit ist also kein Argument mehr.

Der Bristol-Avon am morgen. Unter der Böschung verstecken sich Hausboote.

Am ersten Tag habe ich mit Sophie von ihrem Boot aus eine Wanderung rund im Saltford gemacht. In diesem Urlaub hatte ich endlich mal englisches Wetter mit regelmäßigem Regengüssen. Das war nach der ganzen Hitze im Rheintal eine angenehme Abwechslung, hat aber auch ein wenig genervt, denn wie sich herausstellte waren meine Schuhe eben doch nicht wasserdicht. Und mein Rücksack durfte sich öfter als geplant unter der extra dafür mitgebrachten Plastiktüte verstecken, der war von vornherein nicht wasserdicht. Aber die Wanderung war dennoch sehr schön, wir haben viele Tiere gesehen, viel Natur und ein Römisches Fort.

Englische Tiere, die sich von selbst so malerisch auf ihre Weide gestellt haben.
Das römische Fort, das eigentlich nur noch aus den Wällen bestand. Die Trockensteinmauern wurden später auf die Wälle gesetzt. Man konnte vor allem im Inneren des Fort gut erkennen, das hier mal Römer waren. Während die Wege sich sonst eher schlängeln, war hier alles wie mit dem Lineal gezogen.

Das Titelbild ist übrigens auch von dieser Wanderung, es zeigt ein Panorama über den Kelston Round Hill.

Am zweiten Tag sind wir mir dem Fahrrad nach Bath gefahren. Ich wollte gern in das William Herschel Astronomy Museum, da ich zwar wusste, das Herschel mit seiner Schwester Caroline in Bath gelebt hat, aber nicht, dass es ein Museum gibt. Das hatte ich erst bei meinem letzten Besuch in Bath herausgefunden. Deshalb wollte ich das jetzt nachholen. Das kleine, aber feine Museum ist sehenswert, es gibt sowohl eine Hauseinrichtung zu sehen, die darstellt, wie die Herschels gelebt haben, aber auch viele astronomische Instrumente und viele Informationen zu den Entdeckungen von Wilhelm und Caroline Herschel.

Herschel hat 1800 das Infrarotlicht mit einem Prisma wie diesem entdeckt.
Sophie und ich waren auch so in Bath unterwegs, hier eine Ansicht der Pulteney Bridge.

Nach meinen liebsten Sandwiches im Green Bird Café wollte ich gern noch in das Museum im Royal Crescent No. 1, das ich erst auf einem Flyer im Herschel-Museum entdeckt habe. Es war ziemlich stürmisch und regnerisch an dem Tag, und obwohl Sophie nicht jedes Museum von innen sehen muss, sind wir zusammen hingegangen.

Die Bilder sind etwas verschwommen, da man, natürlich, nicht mit Blitz fotografieren durfte. Hier das “Wohnzimmer”.

Nachdem man seine 12 Pfund Eintritt pro Kopf abgegeben hat (eins der teuersten Museen, in denen ich in England je war), bekam man zuerst das Wohnqartier des Bewohners der georgianischen Zeit, Henry Sandford, zu sehen. Ja, das ganze Haus war nur für diesen einen Mann und gelegentlich seine Schwiegertochter eingerichtet! Als Teil des irischen Parlamentes muss Sandford irgendwie durch Handel zu Geld gekommen sein, und wenn ein Museum das nur so vage beschreibt, dann war das oftmals Sklavenhandel…. Aber Sophie und ich sind uns da nicht sicher, deshalb muss da so stehen bleiben. Die “upstairs” Wohnquartiere waren jedenfalls modisch in ihrer Zeit hergerichtet und hübsch, aber der beste Teil war “downstairs”: Die Dienerschaftsquartiere!

Das Zimmer der Haushälterin im Keller.

Ich habe, als Kontrast, nur mal das Zimmer der Haushälterin eingefügt. Es gab auch noch zwei komplette Küchen, einen Essensaal, eine Vorratskammer und einen genrellen Haushaltsraum mit Brunnen und Bügelstation zu sehen. Sehr viel interessanter als “upstairs”, denn dieser Teil des historischen Lebens wird in Museen sehr oft ausgespart.

An meinem letzten Tag in Somerset ist Sophie mit mit nach Clevedon gefahren, endlich mal den viktorianischen Clevedon Pier angucken. Das Wetter war wieder recht wechselhaft, aber den schlimmsten Regen hatten wir, als wir im Bus von Bristol nach Clevedon saßen. Danach war es nur noch sehr windig.

Sophie und ich sind mit dem Rad nach Saltford zur Bushaltestelle gefahren, hier ein Landschaftsbild bei gutem Wetter mit Trockensteinmauer.

Clevedon mochte ich, auch wenn Sonntags die meisten Geschäfte bis auf Cafés und einem Buchladen geschlossen hatten. Der Pier selbst ist sehr hübsch, es gibt auch ein kleines Museum zur Geschichte des Piers. Man kann dank einer Plakette am Ende des Piers die Cargoschiffe identifizieren, die nach Cardiff oder Bristol unterwegs sind.

Clevedon Pier bei Ebbe. Der Strand besteht wie so oft in England aus Kieseln, hübschen Kieseln.
Es war ein Angelwettbewerb auf dem Pier im Gange.

Sophie wollte gern schwimmen gehen und ich wollte ans Wasser, also sind wir zur Ladye Bay gelaufen. Da ist es echt hübsch! Nicht direkt ein Geheimtipp, aber Platz genug für alle Besucher. Dort kam fast Sommerurlaubsfeeling auf! Sophie konnte wegen der hohen Wellen dann doch nicht richtig schwimmen gehen, aber ich konnte Steinchen sammeln und meine Füße ins Wasser halten. Und die Sonne schien.

Ladye Bay an einem malerischen Tag. Aus der Wolke im Hintergrund hat es ab und an auf dem Wasser geregnet, aber sie blieb auf dem Wasser.

Wieder einmal ein sehr schöner Urlaub in Somerset. Auf dem Rückweg habe ich noch einige Stunden in London einen Stopp eingelegt, um in Kings Cross beim Gleis 9 3/4 einkaufen zu gehen. Dann fuhr auch schon mein Eurostar nach Köln.

Work in Progres: Weiße Robe á la Polonaise

Heute möchte ich mein aktuelles Nähprojekt vorstellen. Ich nenne es das ‘historisch okaye’ Projekt, denn ich bemühe mich um historische Akuratesse, aber ich weiß auch, dass ich Abstriche machen muss. Letzendlich lebe ich eben – zum Glück – nicht im 18. Jahrhundert.

Es soll eine Robe á la Polonaise werden. Meine Recherche zum Thema ist schon Jahre alt, eine Robe á la Polonaise war eins meiner ersten Nähprojekte. Damals aus Vollpolyester, bin ich mit den Jahren schlauer geworden und verwende heute nur noch Baumwolle, Leinen, Seide oder Wolle für historische Kleidung. Mein letzter Versuch einer Polonaise war ein komplett weißes Kleid, das mit entsprechenden Accessoiries den Look gut wiedergegeben hat. Komplett weiße Kleider, ohne Muster, waren damals aber eher nicht üblich. Bisher habe ich auch ausschließlich mit der Maschine genäht, diesmal ist es anders: ich nähe das komplette Kleid mit der Hand. Das geht schneller als erwartet. Ich habe das restliche Jahr 2019 eingeplant, aber so langsam nähe ich gar nicht mit der Hand.

Hier also meine aktuellen Quellen für meine Recherche:

Willow and Thatch – ein Artikel über Kleider mit indischem Blockprint

Lars Datter – sehr hilfreiche Seite, die real existierende Kleider zusammenstellt, zum Beispiel dieses oder dieses

Entgegen meiner auf Instagram verkündetetn Erkenntnis, das ich bisher kein originales Kleid finden konnte, das ein Zugband am Ausschnitt hat, habe ich dann heute dieses Kleid gefunden, das sehr wohl ein Zugband hat. Aber es scheint keine übliche Technik gewesen zu sein.

Dieses Kleid ist die Optik, die ich anstrebe, aber ohne den Rock aus dem gleichen Stoff, ich habe nämlich nicht genug Stoff für einen Rock.

Weiterhin empfehle ich die Publikationen vom Kyoto Costume Institute und American Duchess18th Century Dessmaking“. Letzterem Buch verdanke ich die ersten nicht verdrehten Ärmel meiner Polonaisen-Karriere, es wird dort sehr gut erklärt, wie genau diese Ärmel eingesetzt werden müssen.

Ich habe es geschafft, drei Meter indischen Blockprints auf einem Leinen-Baumwollgemisch zu erwerben. Da hatte ich einfach Glück, das es einen Stoffverkäufer bei den India Summer Days in Karlsruhe gab. Der Druck ist zu groß, um wirklich historisch korrekt zu sein, aber korrekter wird es mit meinem Budget wohl nicht mehr.

Das Schnittmuster habe ich nicht selbst gemacht, ich verwende weiterhin Period Impressions Robe á la Polonaise und Petticoat (PI420), obwohl ich an selbigem sehr viel geändert habe.

So, nun genug der Vorrede, auf zum eigentlichen Projekt:

Zuschnitt der beiden Ärmelteile.

Schon beim Zuschnitt habe ich einen Fehler gemacht: Ich habe die Ärmel nicht umgedreht und damit zwei linke Ärmel zugeschnitten. Zum Glück hat sich das Blockdruckmuster durchgedrückt, ich habe nämlich absolut keine ausreichend großen Reste für einen weiteren Ärmel übrig. Ich habe versucht, das Muster halbwegs abzustimmen, da mir gleich aufgefallen ist, das es eine gewissen Varianz im Druck gibt. Sprich, einfach von der linken Stoffseite zuschneiden und dann zwei gleich gemusterte Teile zu bekommen war nicht. Aber immerhin weiß ich jetzt, das ich wirklich von Hand gedruckten Stoff erworben habe. Mit dem Ärmel muss ich also nun leben. Ich habe mir die Freiheit erlaubt, mit einer Zickzackschere zuzuschneiden, da ich die Stoffkanten erst ganz am Schluss versäubern werde und hoffe, so extremes ausfransen zu vermeiden. Futter ist im Oberteil ein fester weißer Baumwollköper, in Ärmeln und Rockteil dünne Baumwolle.

Der vorhandene Unterbau.

Unterwäsche ist schon vorhanden, ich nähe nicht ein komplettes Set neu und von Hand. Es ist in der Form ein gutes Set, im Material auch, alles Baumwolle, aber eben mit der Maschine genäht.

Der Fortschritt nach etwa drei Arbeitstagen mit jeweils vier Stunden nähen.

Das Zusammenfügen der Teile ging recht schnell. Ich habe Futter und Oberstoff als ein Teil verarbeitet, diese beiden Teile zuerst grob von Hand zusammen geheftet. Stellt sich raus, das diese Technik eher frühes 19. Jahrhundert ist, aber ich meine, einige Originale mit flachem Futter gesehen zu haben. Leider sind viele Kleider online nicht von innen wieder gegeben. Da bin ich dann wohl wieder im Bereich historisch ok.

An der Rückseite sieht man gut, das dass Ausrichten des Musters nicht ganz geklappt hat. Aber ich bin dennoch sehr zufrieden mit der Optik, denn solche Musterrverrutschungen sind durchaus überliefert.

Besonders bei Kleider der Mittel- und Unterschicht konnte, wohl wie bei mir aus Gründen der Stoffmenge – nicht immer auf passende Muster geachtet werden. (Beispiele hier und hier.) Das ist also in Ordnung bei mir. Insgesamt fängt das Kleid an auszusehen wie es soll, also möglichst nah am Original. Ich habe mir übrigens auch echte Kleider in Karlsruhe im Schloss, in Bath, in Ludwigsburg und in Berlin im Museum angsehen (allerdings alles schon vor einer Weile), sodass ich glaube, diesmal richtiger zu liegen als sonst. Handnähen macht natürlich auch etwas aus, alles ist viel feiner als sonst.

Das Band ersetzte ich noch gegen etwas matteres. Die Seitenfalten kommen daher, das der Rockteil noch nicht angesetzt ist und damit die Nahzugabe noch nicht umgefaltet ist. Mit dem Rock sollte dann alles smooth anliegen.

Die Frontansicht ist schon sehr vielversprechend. Ich schließe das Kleid mit einer Schnürung vorn, da ich nicht genug Ösen hatte, habe ich einfach kleine Öschen mit Stickgarn genäht – funktioniert überraschend gut. Ich werde noch schmale Stahlstäbe hinter die Fadenösen schieben, damit der wobbelige Teil an der Front entfernt wird (das sagt auch das Schnittmuster). Die Schnürung ist auch dazu da, mein doch recht schwankendes Gewicht abzufedern. Das komplett weiße Kleid, das ich oben erwähnt habe, gibt es nicht mehr, da ich es absolut nicht mehr passend bekommen habe (und irgendwas komisches mit dem Stoff nach dem vorsichtigen Waschen passiert ist, es lies sich nicht mehr entknittern und war ganz hart?).

Ich habe das halb fertige Oberteil hier über einen existierenden weißen Baumwollrock gezogen, werde diesen aber eventuell ersetzen, vielleicht gegen einen grünen Rock? Aus Baumwolle oder Seide? Auf jeden Fall sollte ich diesen dann von Hand nähen, das ist der aktuelle weiße nicht, und ich finde, man sieht es.

Momentan ist das Oberteil fertig, und es fehlt nur noch der Rockteil. Das werde ich dann einfach nachreichen, wenn alles fertig ist.

Nachtrag: So sieht das fertige Ergebnis aus:

Frontansicht. Es gibt einen passenden Strohhut, den ich nur etwas umdekorieren muss.
Seitenansicht. Und das beendet das Projekt (zunächst).

Nachtrag 30.04.2020:

Ich habe einen Seidenraock gemacht, aus grüner Seide:

Auch wenn das Bild etwas unscharf ist, mir gefällt das Ergebnis sehr gut!

Reisen und Reisetagebücher

Reisetagbücher 1999-2019.

Letzten Montag bin ich von einer Reise zurückgekehrt und habe am folgenden Tag mein Reisetagebuch von eben dieser Reise “fertig gemacht”, sprich, Fotos eingeklebt, letzte Details notiert und Landkarten eingefügt. Ich war in Großbritannien, genau genommen in England in Somerset, bei meiner Schwester Sophie unterwegs. Sophie hat mich gefragt, was ich dann mit den Reisetagebüchern mache, als sie mich das aktuelle Reisetagebuch hat schreiben sehen. Sophie und ich waren schon öfter zusammen auf Reisen, meistens waren die Reisen Geschenke von unseren Eltern. Ich habe auf jeder dieser Reisen ein Tagebuch geführt, muss aber zugeben, das diese bis zum Umzug in einem Fach im Schrank standen und sehr selten herausgeholt wurden. In der neuen Wohnung sind meine Tagebücher sogar im Keller gelagert. Als ich Sophie das gesagt habe, hat sie mich gefragt, was das Tagebuchschreiben dann überhaupt soll. Gute Frage. Also habe ich alle meine Reisetagbücher aus dem Keller geholt und durchgesehen. Das ich sehr oft in Großbritanien war wusste, ich aber nicht wie oft genau: neun (9) Mal! Gut, das liegt auch daran, das Sophie schon seit einer Weile mehr in Großbritannien lebt als in Deutschland und letztes Jahr endgültig dahin ausgewandert ist, aber ich habe da wohl schon eine Affinität. Es hilft wohl auch, dass ich die Landessprache spreche.

Die Tagebücher selbst habe ich in der Regel vor Ort gekauft, in seltenen Fällen habe ich ein Notizbuch mitgebracht. Zwei der Bücher habe ich selbst gemacht.

Das erste Reisetagebuch allerdings ist exakt 20 Jahre alt und dokumentiert eine Reise innerhalb Deutschlands. 1999 war Campingurlaub in Koserow auf Usedom mit der ganzen Familie angesagt. Es ist das einzige frühe Tagebuch, obwohl wir mehrfach in Koserow waren. Am lustigsten ist nicht etwa meine ungelenke Schrift oder meine faktischen Beschreibungen der Ereignisse, zum Beispiel der Eintrag vom 14.08.1999: “Heute wahren wir baden. Ohne Strandmuschel (!), denn das Gestänge war weg.” (Rechtschreibung und Zeichensetzung beibehalten). Sondern, das gewisse, in die familiäre Einnerung eingegangene Ereignisse alle im selben Urlaub passiert sind! Meine Familie erzählt immer wieder gern die Geschichte, wie wir 22km am Strand langewandert sind (ich bin 12, meine Schwester ist 9!). An einem Nachmittag. Oder die Geschichte, wie ich in Stralsund auf eine Bierdose gefallen bin und mir das Knie aufgeschnitten habe. Oder der tolle Mittelaltermarkt in Koserow. Alles derselbe Urlaub!

“Mein Ferienbuch” von 1999. Mit beigelegten Postkarten und Zeitungsausschnitten.

Danach erstmal wieder eine große Lücke. Ich weiß, das wir mehrfach an Ost- und Nordsee im Urlaub waren, aber ich habe kein Reisetagebuch geführt. Das nächste Reisetagebuch beschreibt dann schon meine erste größere Auslandsreise: nach London, die Abschlussfahrt meiner Abiturklasse (in der 11. Klasse und nicht in der 12., warum auch immer).

Reisetagebuch London 2005.

Diese Busreise führte mich und 30 andere Kinder durch den Eurotunnel über Windsor und Canterbury nach London. Es gab einen Tagesausflug nach Stratford-on-Avon, insgesamt war es eine ziemliche Bildungsreise. Hier schon schwärme ich von den gotischen Gewölben der Canterbury Cathedral, den Bildband, den ich mir davon kaufen wollte, habe ich aber nie gekauft. Mir sind von dieser Reise besonders der Besuch einer Aufführung von Shakespeares “The Winters Tale” im Globe und die Parade Trooping the Color in Erinnerung geblieben, bei der ich die Queen sehen konnte. Das Tagebuch bricht auf der Rückfahrt im Bus mit dem Satz “Herr Müller hat Fieber.” ab. Da haben die Schüler wohl ihren Lehrer buchstäblich krank gemacht…

Zum Abitur habe ich von meinen Eltern eine Reise geschenkt bekommen. Mein größter Wunsch war Venedig, und meine Eltern haben sich ordentlich ins Zeug gelegt. Lufthansa-Flug, gutes Hotel, Buskarten und Taschengeld inklusive. Ich hatte da meinen Ausbildungsvertrag als Buchbinderin schon unterschrieben, verdiente aber natürlich noch kein eigenes Geld.

Sophie und Stephanie in Venedig, 2006.

Begleitet hat mich Sophie, ich bin 19 und Sophie 16 Jahre alt. Keiner spricht auch nur ein Wort italienisch. Wir sind trotzdem zurecht gekommen. Ich bin mit Sophie in jede Kirche gegangen, die nicht schnell genug geschlossen hat, und statt in Murano, wo jeder Tourist hin muss, sind wir nach Burano gefahren. Es war eine tolle Reise, mit sehr viel Kultur. Bisher bin ich kein zweites Mal nach Venedig gefahren und weiß auch nicht, ob ich sollte, denn Venedig muss sich sehr verändert haben. In diesem Reistagebuch ist “mein” Venedig festgehalten. So werde ich es kein zweites Mal erleben.

Die nächste Reise führte mich und Sophie 2008 nach London. Das war ihr Abiturgeschenk von unseren Eltern. Dieses Reisetagebuch umfasst leider nur Text, einen 5-Pfund-Schein und Fahrkarten. Ich erinnere mich vor allem an den Shoppingtrip in Covent Garden – die kleine Reisetasche, die ich dort gekauft habe, benutze ich noch heute – und die chaotische Rückfahrt. Wer konnte auch ahnen, dass die Tube nachts den Betrieb einstellt… Unser Flieger ging in den frühen Morgenstunden. Übrigens ist in allen Großbritannien-Urlauben bis auf den letzten in 2019 auffällig, das ich quasi nie von Regen berichte. Englisches Wetter gab es für mich kaum.

Was Sophie und ich 2008 in London gemacht haben.

Es folgen zwei Jahre in anderen Ländern. 2010 fahre ich von Leipzig aus mit meinem damaligen Freund nach Prag. Das war eigentlich ein toller Urlaub, wir haben uns viel Kultur angesehen, aber ich war während des gesamten Urlaubs krank, weswegen ich Prag gar nicht in so guter Erinnerung habe. Lustig war, das mein Freund tschechischen Absinth probiert hat und ein ziemlichen Pokerface aufsetzen musste, denn das Zeug war ordentlich! Wir hatten da aber schon Erfahrung mit Absinth, deshalb war es umso lustiger. Der letzte Tag auf dem Vyšehrad ist mir in bester Erinnerung geblieben. Das war genau die richtige Kombi aus Geschichte, Natur und Kultur für mich. Falls man in Prag ist sollte man den Ausflug dort hin einplanen.

Merch aus dem Mucha-Museum, in dem wir gar nicht waren. Prag 2010.
Das ist eine recht typische Ansicht eines meiner Reisetagebücher: handgeschriebene Seite neben Eintrittskarte. Prag 2010.

Seit 2009 studiere ich übrigens, und passender weise, Kunstgeschichte. Wenn ich mir meine Reisetagebücher anschaue, dann sehe ich schon 1999 einen Ausflug in ein Kunstmuseum, in Canterbury die Entdeckung der Gotik und danach die häufigen Erwähnungen von Kunst und Kultur. Paris 2011 war wiederum ein Geschenk unserer Eltern, allerdings weiß ich den Anlass nicht mehr. Sophie und ich fuhren also nach Paris, mit dem Zug, denn ich lebe nahe der französischen Grenze. Wir schauen uns den Louvre an (und machen irgendwann “Bilder pro Minute”, weil man einfach nicht alles an einem Tag sehen kann und wir uns im Vofeld schon Abteilungen ausgesucht hatten und trotzden nicht alles geschafft haben), das Museé de Orsay, Notre Dame, Sacre Coeur… Paris mochte ich allerdings nicht so recht. Es ist so voll mit Menschen und Autos, und von “magischem” Licht keine Spur, alles voll Müll und Abgase… Montmartre war schön, aber eben auch ein Touristenhotspot.

Paris 2011, passend mit Stickern aus dem Louvre.

2011 ist eins der beiden Jahren, in denen ich zweimal weg war. Die zweite Reise im Herbst ging mit der Uni nach Madrid. 20 junge Frauen auf Bildungsreise, und nur eine Dozentin spricht Spanisch. Es war lustig, aber auch extrem intensiv. Jeder musste – mehr oder weniger gute – Referate vor Ort halten. Ich erinnere mich dunkel, vorgeworfen bekommen zu haben, das ich eins meiner Referate hätte besser vorbereiten sollen, denn das Bild hing zu dem Zeitpunkt leider in einer extrem teuren Sonderausstellung. Ich fand das damas schon unfair, woher hätte ich das denn bitte wissen sollen? Außerdem war die Organisation und Ticketbuchung Sache der Uni. Mein anderes Referat war dafür sehr gut (das erwähne ich sogar im Tagebuch) und den Schein habe ich bekommen. Den Palacio Real hätte ich mir gern gespart, das ist einer der hässlichsten Paläste, die mir je untergekommen sind. Und da leben Monarchen drin! Aber den Tagesausflug zum Escorial möchte ich nicht missen, das war hochgradig spannend.

Das Reisetagebuch besteht zu großen Teilen aus Kunstpostkarten. Madrid 2011.

2013 kam dann wieder eine große Reise mit der Familie. Eine ziemlich aufregende Reise mit Bahn, Flugzeug, Schiff und Bus nach – Irland und Wales. Ja, wieder Großbritannien, da Sophie in Bangor in Wales im Auslandssemester war. Wir haben uns zu einem Familienwochenende in Dublin getroffen. Dublin ist von allen Städten, die ich gesehen habe, wohl die speziellste. Wales – am anderen Ende der Fähre – hat mich aus den Socken gehauen. Es ist so schön dort! Wir wollten eigentlich nach Snowdonia, aber im April lag noch Schnee dort, weswegen wir dann nur am Rand in Llanberis waren. Einer der schönsten Ausflüge überhaupt. Auch Beaumaris und Caernarfon Castle sind sehenswert. Ich möchte immer einmal nach Wales zurück, aber bisher ist es nicht dazu gekommen.

Der einzige Urlaub, der zwei Notizbücher gefüllt hat. Dublin & Bangor 2013.
Die Reisetagebücher sind gefüllt mit vielen Informationen. Dublin & Bangor 2013.

Ab jetzt ist das Reiseziel immer Großbritannien. Ich hatte London die letzten Jahre vermisst und wollte auch gern in die große Harry-Potter-Ausstellung der Warner Bros, also bin ich 2015 mit meinem damaligen Freund nach London gefahren. An dem Urlaub war nicht alles perfekt, aber er war etwas ganz besonderes. Selten war ein Urlaub so angefüllt mit Sachen, die mich wirklich interessieren. Außerdem hatte ich das Hotel zufällig in einer extrem tollen Lage ausgewählt, Earls Court ist wirklich zu empfehlen! Diese Reise habe ich mir übrigens nach der Abgabe meiner Masterarbeit gegönnt, und es war auch die erste Reise, die ich selbst geplant hatte. Harry Potter war so wichtig für mich, das ich nicht weiß, ob ich nochmal hinfahren würde. Es ist beim zweiten Mal einfach anders, wenn man schon einmal irgendwo glücklich war. Das gleiche Gefühl versuche ich oben bei Venedig zu beschreiben.

London 2015, mit Eintrittskarten für Harry Potter.

Es folgt ein zweites Jahr, in dem ich zweimal verreise. Das Jahr direkt nach dem Ende des Studiums, bevor es mit dem Job los geht, fahre ich noch mal zu Sophie, die jetzt in Bristol studiert. Bristol ist eine von den Städten, die ich wirklich mochte, aber der besondere Tag dieser Reise war der Tag am Ärmelkanal in Lyme Regis. Da hat, trotz verrückter Busfahrt dort hin, einfach alles gestimmt. Auch nach Lyme Regis traue ich mich nicht ein zweites Mal, obwohl ich unbedingt noch einmal richtig wie Mary Anning Fossilien sammeln will. In diesem Urlaub habe ich übrigens das erste Mal Bath besucht, hauptsächlich wegen Jane Austen und dem Fashion Museum. Doch im Gedächtnis geblieben sind mir besonders die Roman Baths, die ein uralter Ort sind und trotz touristischem Überlauf absolut sehenswert sind.

Bristol 2016, eins meiner schönsten Reistagebücher.

Übrigens sind Sophie und ich auch nach Cardiff gefahren, um Dr. Who zu besuchen, der zwar eine kleinere Ausstellung als Harry Potter hat, aber dafür eine schönere Stadt drumherum.

Sophie macht im selben Jahr ein Praktikum in Cambridge. Da ich in Oxford schon mal kurz war (London 2005), kann ich mir diese College-Stadt nicht entgehen lassen und fliege für ein Wochenende auf die Insel. Cambridge bringt mir einen umfangreichen Einblick in englische Literatur, nicht nur mit dem Besuch der Colleges, sondern auch mit einem Ausflug in die Wren Library und in den Orchard Tea Garden.

Bei diesem Reisetagebuch ist ein Stift mit der Aufschrift “Cambridge University” dabei, den ich immer noch gern hervor hole, um gebildet zu wirken. Cambridge 2016.

In 2017 bekomme ich keine zwei Wochen Urlaub am Stück. Aus diesem Jahr gibt es einen umfangreichen Bericht aus der Karlsruher Kunsthalle, in der ich sehr ausführlich war. 2017 war allerdings insgesamt eher ein Jahr zum vergessen, weshalb eine fehlende Reise da nicht ins Gewicht fällt.

Karlsruher Kunsthalle 2017.

Letztes Jahr, 2018, ist Sophie dann endgültig nach England gezogen. Unsere Eltern haben uns zu unseren Uni-Abschlüssen eine große Reise schenken wollen, die wir dann auf Sophies Hausboot auch endlich durchführen konnten. Ich hatte meinen Abschluss da schon drei Jahre in der Tasche. Sophie und ich wollten schon länger eine Hausboot-Rundreise in England machen, dass Sophie dann schon ein Hausboot gemietet hatte war eher ungeplant. Das war eine der besten Reisen überhaupt, sehr viel Landschaft, wenig Stadt – aus den trubeligen Städten bin ich wohl langsam herausgewachsen – und Hausboot fahren ist gar nicht so einfach. Ich habe mir aus England einen Sonnenbrand und einen wunderschönen Bluterguss mitgebracht, war aber so begeistert wie selten nach einer Reise. Baden im Fluss, Tiere sehen, Kultur anschauen, gutes Essen und gutes Wetter, es war alles dabei.

Kennet und Avon Canal 2018. Dies ist eins der umfangreichsten Reisetagebücher, ich habe alles festgehalten.

Sophie und ich waren auch wieder in Bath, diesmal, um wirklich das Jane Austen-Museum anzuschauen und im Green Bird Café die feinen Open Sandwichs zu essen. Wir habe mittlerweile Bath-Traditionen, auf die ich auch jetzt, 2019, bestanden habe. Mittlerweile hat Sophie ein Hausboot gekauft, und da habe ich sie letzte Woche besucht. Diesmal bin ich mit dem Zug gefahren, was die bessere Wahl war, und so konnte ich auch etwas Zeit in London einplanen, das ich langsam vermisse. Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal englisches Wetter, es hat immer wieder geregnet, was Sophie und mich nicht von Wandertouren oder Ausflügen mit dem Fahrrad abhielt.

Nach 20 Jahren wieder ein selbstgemachtes Reisetagebuch. Aber mittlerweile bin ich Buchbinderin. Bath 2019.

Ist Reistetagebuch schreiben eigentlich noch zeitgemäß? Hatten Reiseberichte nicht im 18. Jahrhundert ihren Siegeszug in der Literatur angetreten? Ich glaube nicht, dass meine Berichte literarischen Wert haben, aber der persönliche Wert ist enorm. Ich musste an einigen Stellen lachen, anderen war ich enttäuscht beim lesen, aber alles in allem haben mir die Bücher vor allem geholfen, die Reisen gut zu erinnern. Es gibt ein oder zwei Reisen, wie die 2006 zu meiner Brieffreundin Kirandeesh nach, well, England, über die ich kein Tagebuch geführt habe, und das ist wirklich schade.

Was mich im Nachhinein sehr stört sind die vielen Flugreisen. Von den vierzehn hier erwähnten Reisen sind nur fünf nicht mit dem Flugzeug unternommen worden, und bei den meisten davon wäre es auch anders gegangen. Gerade England ist mit dem Bus oder der Bahn gut zu erreichen, warum nicht öfter so? Ich will mir meinem CO2-Abdruck gar nicht vorstellen. Aber das ist etwas, das ich nicht mehr rückgängig machen kann, nur in Zukunft besser.

Zum Abschluss noch etwas Statistik:

  • unternommene und dokumentierte Reisen: 14 in 20 Jahren
  • unternommene, aber nicht dokumentierte Reisen: 8 (diese alle bis auf eine nach Polen innerhalb Deutschlands)
  • das sind 1,1 Reisen pro Jahr
  • von den dokumentierten Reisen waren… :
  • Flugreisen: 9
  • Reisen mit dem Bus: 1
  • Reise mit dem Auto: 1
  • Reisen mit dem Zug: 3
  • Besuchte Länder (außer Deutschland): Italien, Großbritannien, Tschechien, Frankreich, Spanien – und Polen, wozu es kein Tagebuch gibt

Japanische Blockbindung

Der heutige Blogeintrag zeigt, wie man eine japanische Buchbindung, ein Blockbuch, macht.

Man braucht:

  • Papier, ich habe ein graues 90g/m2 in DIN A4 einfach halbiert
  • dickeres Papier, z.B. Naturpapier, für die Buchdeckel – dieses Papier kann ca. 2cm länger sein als der Buchblock breit ist
  • etwas Karton für die Innenseite der Buchdeckel
  • eine dicke Nadel
  • einen Papierbohrer (oder eine Ahle und einen Hammer)
  • eine Schere
  • Band, z.B. Stickgarn oder ein anderes dickeres Band
  • ein Lineal
  • eine Unterlage, in meinem Fall eine dünne MDF-Platte
  • zwei Wäscheklammern
Was man braucht.

Zuerst legt man Buchdeckel, Karton für in die Buchdeckel und den Papierstapel aufeinander, so, dass es ein Buch mit zwei blauen Buchdeckeln ergeben kann. Der Karton bildet dabei die zweite Lage nach dem Papier, da er das Papier verstärken soll. Den Stapel möglichst gerade zusammenstoßen und mit zwei Klammern ca. 5 cm vom Buchrücken entfernt zusammenklammern. Die Länge des Deckelpapiers steht dabei auf der gegenüberliegenden Seite über.

Man sieht ein wenig die rohen, welligen Kanten des blauen Deckpapiers. Das ist die Seite, die länger ist und über steht.

Ich habe mir jetzt aus zwei Büchern und der MDF-Platte und einem Bügeleisen als Gewicht eine Vorrichtung gebaut, in der ich bequem und mit gerade liegendem Buch bohren konnte. Das ist aber nicht unbedingt notwendig, nur praktisch, weil die Klammern den Buchrücken so nicht nach oben drücken können.

Meine Vorrichtung aus zwei Büchern und der MDF-Platte.

Im nächsten Schritt zeichnet man mit dem Linel drei Markierungen jeweils 1,5 cm vom Rand entfernt an: eins in der Mitte und zwei je oben und unten 2 cm vom Rand entfernt. An diesen Stellen drei Löcher mit dem Papierbohrer bohren.

Man sieht die Markierungen nicht, aber das ist das erste Loch, 2 cm vom unteren Rand und 1,5 cm vom Buchblockrand entfernt.

Sind die drei Löcher gebohrt geht es ans Binden: Der Faden, in meinem Fall zwei Fäden, ein schwarzer und ein blauer zur Dekoration, sollte ausreichend lang sein. Lieber mehr abschneiden als zu wenig. Zuerst den Faden in die Nadel einfädeln – bei mir war das wegen der beiden Fäden eine dicke Stopfnadel – und dann durch das mittlere Loch von oben nach unten durchfädeln:

Die Nadel guckt unten raus.

Den Faden oben 10-15 cm herausstehen lassen, an dieser Stelle wird dann verknotet. Jetzt die Nadel wieder von oben durch das selbe Loch stechen und den Faden gut anziehen – der Faden muss immer gut angezogen werden, da nicht nachkorrigiert werden kann.

Die Nadel ist unten und eine Schlaufe ist fest angezogen.

Im nächsten Schritt von unten nach oben in das benachbarte Loch stechen.

Die Nadel ist oben. Faden wieder anziehen.

Erneut von unten durch das selbe Loch stechen, damit sich eine feste Schlaufe bildet.

Die Nadel ist jetzt oben.

Jetzt durch das mittlere Loch, das, welches schon eine Schlaufe hat, von oben nach unten stechen.

Die Nadel ist unten. Es fängt an wie eine Buchbindung auszusehen.

Jetzt von unten nach oben durch das dritte Loch stechen.

Die Nadel ist oben. Festziehen nicht vergessen!

Wieder eine feste Schlaufe bilden, indem die Nadel von unten nach oben durchgestochen wird:

Fast geschafft!

Um die Bindung fertig zu stellen, jetzt in der Mitte mit dem stehengelassenen Faden einen festen Knoten binden. Ich habe noch eine kleine Schleife gebunden.

Die Bindung an sich ist fertig!

Die Klammern können nun entfernt werden. Jetzt wird das Buch fertig gestellt:

Zur Fertigstellung die überstehenden 2cm blaues Deckpapier um den mitgebundenen Karton falten.

Das blaue Papier um den Karton falten. Das gibt festere Buchdeckel als nur das blaue Papier um die oberste Seite des Buchblockes zu falten. Dieser Schritt kann auch weggelassen werde, es müssen keine 2cm überstehen. Dann wäre das Blockbuch hier schon fertig.

Jetzt kann losgeschrieben werden!

Das fertige Buch sieht dann so aus:

Von vorn mit der Schleife….
…. und von hinten.

Ein schönes kleines Kreativprojekt für einen Nachmittag. Leider lassen sich Blockbücher aufgrund ihrer Bindung nicht so gut aufschlagen, aber als Notiz- oder Skizzenbuch sind diese Bücher allemal geeignet! Ich werde meins als Reisetagebuch verwenden. (Es wäre auch eine Möglichkeit, die Seiten lose mit auf Reisen zu nehmen und dann Flyer und Eintrittskarten und Postkarten mit der japanischen Bindung zusammenzubinden.)

Weitere Bindungsarten sind hier zu finden:

Lost im Papierladen

Weitere Informationen zur japanischen Blockbindung hat Wikipedia

Throwback Thursday 2

Wilkommen zum zweiten Throwback Thursday! Wie im ersten Teil ausführlich beschrieben habe ich in meinen frühen bis mittleren zwanzigern Fotoshootings gemacht. Hier kommen mehr der Ergebnisse, jetzt 2011-2013. Wie immer: Ich verlinke, wen ich kann.

Susan hat mir hier Kleidung und diesen wunderschönen Haarschmuck gestellt. Den Kranz hat sie selbst gemacht. Plan war ein Probeshooting für Hochzeiten – weiß mit weiß ist so eine Sache. Ich habe es sehr gern gemacht, und die Ergebnisse, hier eins davon, sind wieder super! April 2011.
Das hier ist wieder so ein Fall, bei dem ich nicht weiß, nach was ich überhaupt suchen muss. Hartmut und seine Frau sind mit einem riesigen Bus vorgefahren damit ich einen Platz zum umziehen habe. Wie haben mehrere Outfits geshootet, das hier ist mein Lieblingsfoto aus der Serie. Das Kleid habe ich selbst gemacht und trage es immer noch gern. April 2011.

Uuund wir sind am Höhepunkt. Für mich. Ich glaube, ich habe den ganzen Spaß gemacht, damit ich einmal für Viona Ielegems Kamera stehen kann. Ziel erreicht? Das Kleid ist von Johanna Macht und dies war das Shooting zu Johannas erster Kollektion nach dem Besuch der Modeschule. Ich habe dieses Seidenkleid so sehr geliebt, das ich es beinah gekauft hätte – war dann aber zu teuer. Verständlicherweise, denn das hier ist schon Haute Couture. Es waren noch drei andere Models dabei, die die anderen drei Kleider vorgeführt haben. Davon kann ich natürlich keine Bilder herzeigen, da ich (natürlich) keine Rechte habe. Wie ich gerade entdeckt habe, kann ich Johanna nicht verlinken, da ich ihre Webseite nicht mehr finde. Das ist schade.

Viona hat auch mein Styling gemacht, Haare und Make-up.

Foto Viona Ielegems, Kleid Johanna Macht.
Foto Viona Ielegems, Kleid Johanna Macht. Mit dem Bild war ich dann, ohne Namensnennung, auch mal in der Gothic Lifestyle 2/2011 abgedruckt.

Peter fotografiert Analog. Das hier sind meine beiden Lieblingsfotos, aber da gab es noch mehr richtig schöne Bilder von mir. Peter hat mir nach dem Shooting auf der Burg noch Essen bei sich daheim gekocht, also prima Rundumbetreuung!

Mich ärgert das jetzt, dass ich die Shootings so schlecht mit Daten versehen habe. Welcher Peter war das? Peter ist in der Modelkartei ein so häufiger Name….
Die Maske machts! Foto von Peter, April 2012.

Im Mai 2012 habe ich mir das schöne das Kleid nochmal von Johanna ausgeliehen. Die Krone dazu hatte ich schon länger, die habe ich selbst gemacht. Ich war bei diesem Shooting – wie bei dem allerersten mit Robin und dem zweiten auf der Burg – nicht allein, meine beste Freundin war dabei, aber da ich nicht weiß, ob sie hier auftauchen möchte, klingt es so, als wäre das allein meine Leistung gewesen. War es aber nicht. Mario Maag ist noch aktiv und hier und hier zu finden. Hier also ein Foto, auf dem ich allein drauf zu sehen bin:

Foto: Mario Maag, Kleid: Johanna Macht, Krone: selbstgemacht.

Thomas Bunge ist ein langjähriger guter Bekannter. Er hat schon sehr, sehr viele meiner liebsten Festivalfotos gemacht. An einem schönen Septembertag haben wir uns endlich in Schwetzingen verabredet, um mein Hochzeitskleid – nach der Trennung dann schon – mal in all seiner Größe aufzunehmen. Die Schleppe sollte danach ab, deshalb sieht das Kleid so gar nicht mehr aus. Thomas hat – wie immer – einen klasse Job gemacht:

Schlossgarten Schwetzingen, Foto von Thomas Bunge. Kleid: selbstgemacht.

Vincent, damals unter dem Namen VH Visions, ist auch jemand, den ich nicht mehr finden kann. Im Oktober 2012 waren wir beide im der Günther-Klotz-Anlage Bilder machen. Vincent hat das Herbstlicht so schön passend zu meinem mittelalterlich angehauchten Outfit dass ich in Teilen selbst gemacht habe, eingefangen:

Foto von Vincent, Oktober 2012.

Im September 2013 sind Susan und ich noch ein letztes Mal losgezogen, diesmal in den Botanischen Garten Karlsruhe. Kleid und Hut stammen von mir, Bildideen von Susan.

Foto von Susan, September 2013.
Foto von Susan, September 2013. Das ist auch so das nackteste, was ich je gemacht habe.

Das ist doch ein guter Abschluss, finde ich. Mich juckt es jetzt ein bisschen, mich wieder vor eine Kamer zu stellen, aber eigentlich habe ich weder die Zeit noch die Einstellung dazu. Das war eine schöne Zeitreise durch das eigene Leben!

Throwback Thursday: Die Zeit in der ich Fotoshootings gemacht habe

*Throwback Thursday: klicke hier für eine Erklärung

Auch ich habe in meinen frühen bis mittleren zwanzigern Fotoshootings gemacht. Gefühlt alle Gothic-Mädchen und -Frauen haben das in der Zeit gemacht. Manche sind dabei geblieben und verdienen heute damit Geld, viele haben das Hobby wieder fallen lassen. Bei mir war vielleicht der Punkt erreicht, an dem ich hätte Geld dafür verlangen können, mich hübsch gekleidet vor eine mehr oder weniger professionelle Kamera zu stellen. Da habe ich dann aufgehört. Ich habe alle Shootings immer auf tfp-Basis, sprich “time for pictures”, also “Zeit für Bilder” gemacht. Manche der Fotografen kann ich immernoch verlinken, manche sind in den Tiefen des Internets verschwunden. Ich gebe mir Mühe, alle Beteiligten zu verlinken. Wenn jemand jetzt anders heißt oder nicht genannt werden will, bitte melden!

Der niedliche Anfang. Absichtlich kein Foto, bei dem ich direkt in die Kamera schaue, da ich hier noch keinen gescheiten Gesichtsausdruck hinbekommen habe und ständig meine eine Augenbraue hochziehe. Die Farben in dieser Serie finde ich immer noch total umwerfend! Foto von: Comes Noctis Das Kleid habe ich übrigens selbst genäht, mein erstes großes Werk.
September 2010.
Das Shooting habe ich als sehr lustig, aber echt kalt in Erinnerung. Das mit der Augenbraue wurde besser. Foto wieder von Comes Noctis. Das Korsett ist gekauft, den Rest habe ich selbst genäht.
Oktober 2010.

Für mich standen oft die Klamotten im Vordergrund. Ich habe so viel Zeit und Geld in dieses Hobby gesteckt, ich wollte davon auch mal gescheite Fotos. Eine Kleiderpuppe zu kaufen und selbst Fotos zu machen, da bin ich irgendwie nicht drauf gekommen…. Ich hatte oft Spaß bei den Shootings, manchmal waren es aber auch purer Stress. Wie das eine Shooting in Pforzheim, bei dem ich auf dem Rückweg in einen Bahnstreik geraten bin und dann zwei Stunden in Pforzheim festhing. Nachdem ich stundenlang mein Bestes versucht habe vor der Kamera zu geben. Alle Fotografen waren super nett, bis auf einer, der wirklich wollte, dass ich meine Bluse weiter auf mache. Von dem Shooting wird es hier auch keine Bilder geben, so eine Person unterstütze ich nicht. Der Typ ist noch aktiv und macht jetzt geschmacklose Aktfotos.

Trotzdem weiß ich nicht so ganz genau, wieso ich unbedingt vor die Kamera wollte. Ich bin da ein bisschen talentfrei… Und habe über das warum nie so richtig nachgedacht. Im Nachhinein bin ich aber froh, dasss ich jetzt so viele schöne Fotos von mir hab aus einer Zeit, in der ich wirklich gut aussah. Was nicht heißt, das ich jetzt schlecht aussehe, ich bin so fit wie nie zuvor, aber ich sehe das Alter auf den Fotos kommen. Stört mich weniger, als das jetzt klingt, denn ich bin endlich normalgewichtig und habe immernoch diese krass reine Haut. Und ich kann jetzt Dinge heben und Berge hochsteigen, da ich gesünder bin als damals.

Das ist imernoch mein Lieblingsfoto von mir. Das Outfit ist teilweise gekauft, aber an dem Tag hat alles gepasst, Wetter, Kleid, Fotograf, Schlosspark. Nico hat mir in dem Shooting so viel beigebracht. Hier ist seine Sedcard: EnEsTe
Oktober 2010.
Das Foto, auch von Nico, hatte ich sogar an der Wand, wegen der Libelle. Da war dann auch der schiefe Hintergrund egal (über den hat Nico sich auch geärgert), aber es war ein sekundenschneller Schnappschuss.

Ich habe gerade entdeckt, dass ich gar nicht so lang Fotoshootings gemacht habe. Es kommt mir vor wie etwa fünf Jahre, aber es waren tatsächlich nur drei, mit mehreren Shootings im Monat in 2010 und 2011. Insgesamt waren es nur 15 Shootings. Vielleicht kam mir das so viel vor, weil es doch immer ein Aufwand war – Fotograf finden, Klamotten absprechen und zusammenstellen, Ort finden, Termin finden, hinfahren…. Das war für alle Beteiligten nicht ohne.

Susan hat immer das Beste aus mir herausgekitzelt. Heute weiß ich diese angenehm ruhigen Bilder umso mehr zu schätzen. Warum Susan und ich nicht weiterhin befreundet geblieben sind ist mir bis heute ein Rätsel. Susan verlinke ich absichtlich nicht, da ich von ihr nur das private Facebook-Profil habe.
So schön! Den Hut habe ich, wie den Rock, selbst gemacht. Susan hats einfach drauf! März 2011.
Wolfgang ist so ein Fall, bei dem ich keine Spuren im Internet finde. Das war das Shooting in Pforzheim. Hier habe ich es erst gegen Ende hinbekommen, wirklich etwas auszudrücken. Wolfgang hat sich alle Mühe gegeben mit mir. Hier ist alles selbst gemacht, und man sieht: meine Haare wachsen! März 2011.

An der Stelle habe ich beschlossen, zwei throwback thursdays zu machen. Das beste Material kommt noch! Ist eine schöne Zeitreise, ich bekomme fast Lust, mal wieder vor eine Kamera zu treten.