FrOSCon 2022 – Free and Open Source Conference in Sankt Augustin

Dieses Jahr können endlich wieder Veranstaltungen in Person stattfinden. Dieses spezifische Gruppe Leute ist zwar sehr gut darin, alles remote und online durchzuführen, dennoch bin ich froh, dass ich wieder irgendwo hinfahren kann, da was lernen kann und eventuell sogar mit jemanden in Kontakt komme.

In diesem Fall ist es die FrOSCon in Sankt Augustin. Diese fand vom 20. bis zum 21. August an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg beim Fachbereich Informatik statt. Was ist die FrosCon überhaupt? Eine Konferenz für Free and Open Source Software! Ich vermute sie hat auch Frösche, da es einen kleinen Teich hinter dem Gebäude A gibt, der ist aber eingezäunt, also habe ich keine sichere Aussage dazu.

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg überzeugt von Anfang an mit sauberen, großzügigen, modern (zwei Beamer im Hörsaal!) ausgestatteten Räumlichkeiten. Auch gratis WLAN ist leicht zu finden und das eduroam funktioniert ohne Probleme. Als Frau konnte ich auf Anhieb zwei Toiletten finden, die auch sauber waren und über Seife sowie Handtücher verfügen (looking at you, HS Karlsruhe). Es gibt Snacks in Brötchenform und ein Mittagessen für kleines Geld, auch vegetarisch. Für Kaffee und Getränke ist ebenfalls gesorgt, in Pfandflaschen und ohne Plastikdeckel auf den Kaffeebechern. So, jetzt wo die Stage gesetzt ist: Was gibt des denn inhaltlich auf der Konferenz?

Laut Keynote 80 Vorträge und 10 Workshops! Über alles kann ich natürlich nicht berichten, aber zumindest über die Vorträge, die ich besucht habe. Wer reinschauen möchte: die Vorträge werden hier zum nach-schauen bereitgestellt.

Am ersten Tag habe ich mich in einen Ansible-Vortrag verirrt, obwohl ich als UX/UI-Person nichts damit zu tun habe. Als Begleitung hatte ich aber nichts anderes vor, und überraschenderweise konnte ich mit meinen rudimentären Kenntnissen teilweise verstehen, worum es ging – Pattern und Anti-Patterns. Das werte ich mal als einen win. Danach eine Pause, erst mal schauen, was für Stände es so gibt, bei Tuxedo Computers, adesso und LeanIXs vorbeigeschaut, Mittagessen (Nudeln) und Getränke kaufen.

Eingang an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zur FrOSCon.

Nach der Keynote eines hiesigen Profs ein Vortrag über Digitale Souveränität, der nach einer Presseschau (viel fefe) Probleme und Lösungsvorschläge für das Steigern der digitalen Souveränität vorgeschlagen hat. Man sollte, als Einzel-User oder Firma, nach der Entscheidung für einen Dienst seine weiteren Handlungsmöglichkeiten nicht eingeschränkt haben. Auch die soziale Komponente der Sozialisierung in Richtung Informatik wurde mehrfach angesprochen. Gemeint ist sowas wie „Musikschulen für Informatik“, also eine mögliche Vertiefung von Interessen vom Kindesalter an. In der Diskussion zu diesem Vortrag wurde auch besprochen, dass die Lehrqualität in Ausbildung und Hochschule oft nicht gegeben ist, da die Lehrenden viel zu selten aus der Praxis kommen. Bei einer Frage bzw. Anmerkung hätte ich mich beinah selbst zu Wort gemeldet, habe mich dann aber nicht getraut: Der Abstand zwischen Anwender und Entwickler ist teilweise sehr groß und führt zu Konflikten – aber gibt es nicht ein ganzes Berufsfeld, nämlich gerade UX-Designer/Experten, die genau dazu da sind, diesen Abstand zu verringern, Anwender abzuholen und Entwickler zu beraten? An der Stelle fiel mir auch auf, dass ich gar nicht weiß, wo UX in Open Source ins Spiel kommt. Zeit, dass mal rauszufinden!

Gleich im Anschluss habe ich mir den Vortrag „Mit Pull Requests arbeiten“ angesehen. Hier ging es weniger darum, wie man einen Pull Request stellt, sondern eher eine Anleitung zum sozialen und Umgang miteinander im Prozess und um das Glattziehen von Abläufen.

Eher spaßig und perfekt geeignet für den Abend war der Talk der beiden vom Podcast Open Source Couch. Der Rundgang durch das Open Source Jahr 2022 war umfangreich, interessant, führte zu Kopfschütteln und Lachern. Ich hätte ja gern noch ein bisschen „Programming Language Developer or Serial Killer?“ gespielt, das war als mit Zuhörern vor Ort einfach sehr lustig!

Das Social Event begann nahtlos danach. Für 15 € bekam man, wenn man wollte, ein mehrgängiges griechisches Menü (Vegetarier und Veganer mussten hier auf Salat und Beilagen ausweichen) und Kölsch so viel man wollte (natürlich gabs auch nicht-alkoholische Getränke). Zufällig gemachte Bekanntschaften erheiterten den Abend mit Geschichten aus der IT.

Übernachten muss man beider FrOSCon übrigens im Hotel. Wir haben in Hangelar im Hotel Hangelar übernachtet, ein kleines gepflegtes Hotel mit umfangreichem Frühstücksbuffet. Leider ist es direkt an der Landstraße gelegen und deshalb etwas laut, aber für eine Konferenz-Übernachtung ist es völlig ausreichend! Bonn, St. Augustin und Hangelar sind übrigens durch eine Straßenbahn verbunden, die selbst am Wochenende alle 20 min fährt. Die drei Haltestellen zwischen Hotel und Hochschule sind also schnell zurückgelegt. (Über Tickets und Ticketpreise kann ich dieses Jahr dank des 9-Euro-Tickets keine Aussage treffen.)

Das war übrigens schon die 17. FrOSCon!

Sonntag Morgen hatte ich einen relativ späten Start, da mein Mann eine Prüfung abgelegt hat und es nicht wirklich was im Plan gab, dass mich interessiert hat. Man kann auf der FrOSCon Prüfungen vom Linux Professional Institute ablegen. Ich bin dann also nachgekommen und habe mir „Open Accessibility – Ein Plädoyer für mehr Barrierefreiheit in Open Source Software“ angeschaut. Fand ich interessant, vor allem aus meiner UX-Perspektive. Ich habe zum Beispiel nie drüber nachgedacht, dass die Anforderungen an eine Anwendung für sehbehinderte, gehörgeschädigte und neurodiverse Leute völlig widersprüchlich sein können.

Am besten gefallen hat mir zugegeben der Vortrag mit dem wenigsten Open Source-Bezug: „Wie die Eisenbahn aus Fehlern lernt“. Anhand der Geschichte der Zugbremse wurde erklärt, wie die Bahn an ihren Herausfoderungen wächst und welche aktuellen Herausforderungen sie versucht zu lösen. Im Moment ist die Vollständigkeit von Güterzügen interessant, da immer noch mit Mensch und dessen Augen überprüft wird, ob die Schlussleuchten des Zuges noch dran sind und demzufolge kein Teil des Zuges auf der Strecke geblieben ist.

Ich habe mir dann erst mal eine Kaffeepause gegönnt, es wurde nämich langsam viel mit dem zuhören und lernen. Und auch wieder heiß, nach einem etwas kühleren Samstag, Zuletzt war ich bei „Wer bin ich und wenn ja, wie viele“, ein Vortrag, bei dem es um Identität ging – und um die Projekte Open ID Connect und CACert, die in Zukunft eine Identitätsprüfung online bereitstellen sollen (das Projekt war fast fertig zur FrOSCon).

Und dann war die FrOSCon auch schon vorbei! Sankt Augustin ist zum Glück groß genug, dass wir auf dem Weg zur Bahnhaltestelle gleich ein Restaurant finden konnten. Nach dem Abendessen stand uns am nächsten Morgen die Abreise bevor,

Alles in allem mochte ich die FrOSCon sehr. Inhaltlich habe ich einiges lehrreiches mitnehmen können und die Leute haben eine große Überschneidung mit denen, die auch auf dem Chaos Communication Congress zu finden sind, weshalb ich mich wohlgefühlt habe. Da ich dieses Jahr nicht auf den Congress kann war es für mich ein Ersatz im Kleinen. Bis zum nächsten Jahr!

Titelbild via Photo by Ilona Frey on Unsplash.

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